Herzlich willkommen auf unserem EQ-Blog. In regelmässigen Abständen veröffentlichen wir verschiedene Beiträge rund um das Thema emotionale Kompetenz. Es sind Anregungen zum Thema „Bedeutung von und Umgang mit Emotionen in der Arbeitswelt“. Die Palette der Inhalte ist breit gewählt – von erkenntnistheoretischen Reflexionen und eher wissenschaftlich orientierten Beiträgen über anschauliche Praxisberichte aus dem iek bis hin zu witzigen Episoden aus dem ganz normalen Alltag.
12.06.2012
Geld und Geist
Schon Jeremias Gotthelf hat sich mit den materiellen Zwängen des Daseins beschäftigt und das Thema aufgegriffen, wie Geld und Geist nebeneinander bestehen können. Im Roman verliert der Bauer (Unternehmer) durch "eigenes Ungeschick " eine grosse Summe Geld. Der Verlust führt zu Verbitterung, Groll und Entfremdung in der Familie.
Finanzielle Verluste mit gravierenden Folgen für Wirtschaft und Familie hat es schon immer gegeben und wird es immer geben. Aber wenn früher die wirtschaftlichen Folgen noch überschaubar waren, nehmen heute die "ungeschickten" Handlungen Einzelner aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen, der Organisation der Finanzmärkte und nicht zuletzt wegen der Globalisierung der Wirtschaft unheimliche Dimensionen an.
In den letzten Monaten haben mehrere renommierte Banken durch "eigenes Ungeschick", d.h. durch Finanztransaktionen oder Spekulationen einzelner Mitarbeiter, Milliardenverluste hinnehmen müssen. Die Nachricht hat die Finanzmärkte und das Vertrauen in die entsprechenden Häuser massiv erschüttert. Auch hier sind wohl Verbitterung, Groll und Entfremdung die Folge gewesen - allerdings weltweit und nicht nur im hinteren Emmental.
Ohne die Abläufe, genauen Hintergründe oder Mechanismen solcher Finanztransaktionen genau zu kennen, habe ich versucht mir vorzustellen, was einen Börsenhändler dazu führen kann - respektive was bei ihm emotional abläuft, wenn er mit ein paar Mausklicks mehrere Milliarden Dollars, Euros oder Franken in den Sand setzen kann. Ist es "eigenes Ungeschick", oder was steckt dahinter?
Solche Supermänner werden von den Bankinstituten mit Millionen belohnt, wenn sie am Markt besser sind als die anderen Teilnehmer und entsprechend Gewinne mit spekulativen Finanztransaktionen aller Art hereinholen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an und der Druck auf die Händler.
Börsianer stehen zum Teil im Sekundentakt im Wettbewerb mit tausend anderen, die sich an den Märkten tummeln und miteinander messen. Wie schafft man es, besser zu sein als die anderen Marktteilnehmer? Wie kommt man schneller zu besseren Informationen? Wie kann man schneller sein als die Konkurrenz und wie kann man schlicht und einfach cleverer sein als die anderen? Das bedeutet oft, dass man den nächsten Schritt der anderen erahnen muss, bevor dieser ausgeführt wird. Das ist gar nicht so einfach und führt zu schwierigen Entscheiden, die oft einen spekulativen Hintergrund haben.
Der Händler muss antizipieren, wie es am Markt weitergehen wird. In welche Richtung werden die anderen Marktteilnehmer tendieren? Dieser Gedankengang muss vorweggenommen werden. Wie muss ich mich positionieren, damit ich so entscheide, wie es die Mehrheit tun wird. Diese Marktmeinung richtig zu erahnen, ist das A und O an der Börse und entscheidet über Gewinn oder Verlust. Eigentlich ganz einfach, oder? Man muss von zwei verschiedenen Möglichkeiten nur die richtige auswählen. Gehe ich long, oder eher short? Dollar kaufen, oder verkaufen?
Neben viel fachlichem Know-how ist auch eine hohe emotionale Kompetenz notwendig, damit man sich beim Handeln nicht von Lust und Gier auf Gewinn verleiten lässt und dabei das Risiko eines Verlustes völlig ausblendet. Der Händler muss die Fähigkeit und Bereitschaft haben, bei Entscheidungen bewusst ein kalkuliertes Risiko einzugehen. Er darf sich aber nicht von allzu risikobehafteten Geschäften mit hohem Gewinnpotenzial verleiten lassen und muss fähig sein, bei seinen Entscheiden den Nutzen für die Stakeholder der Organisation und den langfristigen Unternehmensvorteil im Auge zu behalten. Das ist sicher nicht einfach, wenn der kurzfristige Gewinn mit horrenden Boni versüsst wird. Hier braucht der Händler sehr viel Charakter und in einem gewissen Sinne auch eine soziale Verantwortung, damit er bei seinen Entscheiden auch die längerfristigen ökonomischen und sozialen Folgen seines Handelns berücksichtigt. Nur so kann er im Markt auf Dauer bestehen.
Heute wie zu Jeremias Gotthelf's Zeiten müssen unternehmerische Entscheide mit Fach- und Sozialkompetenz getroffen werden. So können "eigenes Ungeschick" und wirtschaftliche Misserfolge am ehesten vermieden werden und Geld und Geist nebeneinander florieren.
Bis bald
Simon
EQ-Blog@iek.ch
29.05.2012
Es spricht so ziemlich alles dagegen - und doch …
Heute möchte ich Ihnen und euch eine wahre Geschichte aus meiner Arbeit in der Kaderselektion erzählen. Stattgefunden hat sie irgendwann im letzten Jahr. Ich habe sie jedoch bis heute nicht vergessen.
Da war sie – eine junge Frau, die sich auf eine Ausschreibung beworben hatte: Clever, professionell, bestens qualifiziert, sympathisch und mit einer gewinnenden Ausstrahlung. „Aber war da nicht so etwas wie ein bisschen Traurigkeit spürbar?“, fragte ich mich nach dem ersten Interview. Auf jeden Fall – und dies war überhaupt nicht erstaunlich – avancierte sie im Feld der vielen Kandidaten und Kandidatinnen bald einmal zu meiner Top-Favoritin.
Im letzten Interview kam dann die überraschende Eröffnung: „Ich bin schwanger!“
Mein erster Gedanke: „Wie schade, aber das war’s dann wohl!“
Doch es kam anders! Nämlich trotz Schwangerschaft zu einer Anstellung, zu einigen Monaten Tätigkeit, einem Mutterschaftsurlaub, einer tollen Mutterschaftsvertretung, Nachwuchs und zu einem erfolgreichen Wiedereinstieg.
Eine ehrliche Stellensuchende mit sehr hohem Engagement und Interesse sowie eine grosszügige und offene Arbeitgeberin (und es handelt sich hier nicht um ein Grossunternehmen) sind hier aufeinander getroffen. Beide haben sich auf ein Experiment eingelassen. Die Kandidatin nahm in der Schwangerschaft das Risiko eines Stellenwechsels auf sich und das Unternehmen war bereit, einen Extra-Aufwand auf sich zu nehmen. Man könnte meinen, es wäre leichter gewesen, eine andere Kandidatin zu wählen und doch war klar, dass dies nicht der Weg ist. War es nur Sympathie? – Ich kann die Frage nicht wirklich beantworten.
Doch die Geschichte hat mich gefreut und berührt. Sie zeigt mir einmal mehr auf, dass Unwahrscheinliches ganz unverhofft plötzlich real und möglich werden kann.
Bis bald
Karin Grisenti
EQ-Blog@iek.ch
09.05.2012
Gedankliche Annäherung an den Flow-Zustand
Letzthin hat mich eine Seminarteilnehmerin im Rahmen eines Workshops über emotionale Intelligenz gefragt, wie es sich denn nun eigentlich verhalte mit dem sogenannten Flow-Zustand, ob es das wirklich gebe und, falls ja, wie man denn diesen Zustand am besten erreichen könne.
Ups, eine sehr anspruchsvolle Frage! Ich versuchte ihr spontan so gut wie möglich eine Antwort zu geben, erzählte ihr von Atem- und Konzentrationsübungen, von meinen persönlichen Erfahrungen im Zusammenhang mit intensivem Musikhören sowie von sportlichen Betätigungen, durch die man angeblich in diesen Flow-Zustand kommen könne. Doch ich spürte bei meinen Erklärungsversuchen auch eine gewisse Hilflosigkeit. Wie kann man das erklären? Zudem habe ich es zumindest beim letzten Punkt – dem Sport also – ja selbst auch noch nie erlebt, obwohl ich sogar schon einmal die Anstrengungen eines Marathonlaufs auf mich genommen hatte. Nach 35 km haben mir damals einfach die Knie schrecklich weh getan und nach 42 km war ich sehr froh, endlich am Ziel zu sein. Aber Flow? Nein, das habe ich damals leider nicht erlebt.
Dafür heute ein bisschen: Ich ging mit unserem Hund spazieren. Nichts Besonderes, etwas, das ich jeden Tag tue. Doch heute war es trotzdem etwas Besonderes. Ein wunderschöner Morgen, die Sonne schien, es war noch frisch, aber nicht kalt. Wir spazierten einfach so zusammen vor uns her. Für einmal kein lästiges Ziehen an der Leine, keine anderen Hunde. Einfach nur so spazieren. Gedanken kamen – und gingen auch wieder. Wir sind einfach alles irgendwelche Wesen hier auf diesem Planeten. Wir wissen nicht wirklich woher wir kommen und wir haben eigentlich keine Ahnung wohin die Reise geht. Daher können wir auch nicht wirklich mit letzter Gewissheit herausfinden, was wichtig ist und was nicht. Wir sind einfach hier. Wir können an etwas glauben oder auch nicht. Talli, unser Hund, er ist auch einfach hier. Er rennt wie ein Irrsinniger herum, wenn ihm danach ist und er die Gelegenheit dazu erhält. Dann frisst er und spielt mit anderen Hunden oder mit Katzen oder auch mit uns. Und dann schläft er wieder. Kommen wir dem Flow-Zustand etwa am nächsten, wenn wir einfach dasselbe tun? Können wir das überhaupt? Nun, wir sind ja Menschen und haben Gedanken. Ein erster Schritt könnte vielleicht so aussehen: Den Unterschied zu merken zwischen Momenten, in denen wir unseren Verstand nutzen und von ihm profitieren können und solchen, in denen wir den Verstand besser bei Seite schieben und uns keine Mühe mehr geben, den Sinn des Lebens zu verstehen. Hunde tun das ja schliesslich auch nicht.
Wer mehr darüber wissen möchte, hier ein Link zum Flow-Zustand.
Flow (psychology) - Wikipedia, the free encyclopedia

Viel Spass auf Ihrer Flow-Entdeckungsreise!
Bob Schneider
EQ-Blog@iek.ch
26.04.2012
Im Team über Befindlichkeiten zu sprechen macht stark
Im Umgang mit Neuem, Veränderungen und Druck spielen Gefühle eine wesentliche Rolle. Sind es negative Gefühle und werden diese ignoriert oder ausschliesslich auf einer sachlichen Ebene abgehandelt, verstärkt sich in der Regel eine eher defensive abwartende Haltung. Wie Mitarbeitende eine Veränderung aufnehmen oder mit Druck umgehen, hängt davon ab, inwieweit sie glauben, Kontrolle zu haben oder nicht.
Wir schauen bei nicht selber initiierten Veränderungen selten auf die Chancen und auf die positiven Seiten. Jede Veränderung wird von uns erst einmal auf ihre Bedrohlichkeit überprüft. Bei kleineren und grösseren Veränderungsprojekten ist – neben einer guten Informationspolitik, der schrittweisen Einführung usw. - wichtig, dass auch über Sorgen und Ängste und den Umgang damit geredet wird. Wenn wir keine Gelegenheit haben, über unsere Sorgen zu sprechen, gehen die Ängste in den Untergrund und schlagen sich dann in den unterschiedlichsten Abwehrstrategien nieder wie Widerstand, Gerüchten, Spekulationen und Katastrophen-Phantasien.
Das Sprechen über den eigenen Umgang mit Neuem oder mit Druck eröffnet neue Perspektiven und ermöglicht die gegenseitige Unterstützung im Team. Wenn jede Person von der anderen weiss, mit welchen Sichtweisen sie unterwegs ist, was sie braucht und was sie bereit ist zu geben, kann das bereits sehr entlastend sein und den Glauben an eigene Gestaltungs- und Einflussmöglichkeiten erhalten oder wieder aufbauen.
Es hat sich in verschiedenen Teams bewährt, zwischendurch „Befindlichkeitsrunden“ durchzuführen, in denen die Mitarbeitenden explizit aufgefordert werden, ihre Erfahrungen, ihre Befürchtungen, ihre Ärgernisse aber auch ihre Freuden zu formulieren. Solche Befindlichkeitsrunden haben mehrere positive Auswirkungen:
Empfehlung:
Bis bald
Stephan Arnold
EQ-Blog@iek.ch
Wir schauen bei nicht selber initiierten Veränderungen selten auf die Chancen und auf die positiven Seiten. Jede Veränderung wird von uns erst einmal auf ihre Bedrohlichkeit überprüft. Bei kleineren und grösseren Veränderungsprojekten ist – neben einer guten Informationspolitik, der schrittweisen Einführung usw. - wichtig, dass auch über Sorgen und Ängste und den Umgang damit geredet wird. Wenn wir keine Gelegenheit haben, über unsere Sorgen zu sprechen, gehen die Ängste in den Untergrund und schlagen sich dann in den unterschiedlichsten Abwehrstrategien nieder wie Widerstand, Gerüchten, Spekulationen und Katastrophen-Phantasien.
Das Sprechen über den eigenen Umgang mit Neuem oder mit Druck eröffnet neue Perspektiven und ermöglicht die gegenseitige Unterstützung im Team. Wenn jede Person von der anderen weiss, mit welchen Sichtweisen sie unterwegs ist, was sie braucht und was sie bereit ist zu geben, kann das bereits sehr entlastend sein und den Glauben an eigene Gestaltungs- und Einflussmöglichkeiten erhalten oder wieder aufbauen.
Es hat sich in verschiedenen Teams bewährt, zwischendurch „Befindlichkeitsrunden“ durchzuführen, in denen die Mitarbeitenden explizit aufgefordert werden, ihre Erfahrungen, ihre Befürchtungen, ihre Ärgernisse aber auch ihre Freuden zu formulieren. Solche Befindlichkeitsrunden haben mehrere positive Auswirkungen:
- Formulierte, einmal beim Namen genannte Gefühle und Stimmungen (z.B. Befürchtungen, Ärgernisse) sind in der Regel weniger belastend, es kann darüber gesprochen werden.
- Man hört, wie es anderen geht und wie andere mit der Situation umgehen. Das ermöglicht einerseits Verständnis für gewisse Verhaltensweisen und Reaktionen der anderen, andererseits zeigt es einem mögliche weitere Sicht- und Verhaltensweisen auf.
- Man bringt in Erfahrung, was andere zur Unterstützung brauchen könnten. Durch den Austausch von Unterstützungsbedarf und Unterstützungsmöglichkeiten kann die Zuversicht zur Bewältigung herausfordernder Situationen gesteigert werden.
- Ein solcher Austausch kann auch Anregungen geben, neue Lösungen auszuprobieren.
Empfehlung:
- Durchführung bei besonderen Vorkommnissen, zu spezifischen Themen oder ca. alle zwei Monate.
- Zeit je nach Teamgrösse auf ca. 10-20 Min. begrenzen. Es geht nicht um inhaltliche Diskussionen, sondern darum, dass sich jede und jeder kurz dazu äussert, was beruflich Sorgen bereitet oder was in letzter Zeit Freude bereitet hat.
- Die unterschiedlichen Sichtweisen werden stehen gelassen und wirken bei jeder und jedem Einzelnen individuell nach. Wichtige Themen, die inhaltlich bearbeitet werden sollten, werden als Traktandum in die nächste Teamsitzung aufgenommen.
Bis bald
Stephan Arnold
EQ-Blog@iek.ch
11.04.2012
Umgang mit Emotionen oder „wenn ein Ei nach Gefühl kocht“
Kennen Sie den Sketch „Das Frühstücksei“ von Loriot? In diesem bekannten Sketch kommt gut zum Ausdruck, dass man – wie die bekannten Thesen des Kommunikationswissen-schaftlers Paul Watzlawick besagen – a) nicht nicht kommunizieren kann und b) die Empfängerin/der Empfänger darüber entscheidet, wie sie/er den Inhalt aufnimmt und interpretiert, sowohl auf der sachlichen als auch auf der emotionalen Ebene.
Das Frühstücksei (nach Loriot) – auch zu finden auf http://www.youtube.com/watch?v=bHR_aU1TKZ8
Ein Ehepaar sitzt am Frühstückstisch. Der Ehemann hat sein Ei geöffnet und beginnt nach einer längeren Denkpause das Gespräch.
Ein Ehepaar sitzt am Frühstückstisch. Der Ehemann hat sein Ei geöffnet und beginnt nach einer längeren Denkpause das Gespräch.
Er: Berta!
Sie: Ja ...
Er: Das Ei ist hart!
Sie: schweigt
Er: Das Ei ist hart!
Sie: Ich habe es gehört…
Er: Wie lange hat das Ei denn gekocht...
Sie: Zu viel Eier sind gar nicht gesund...
Er: Ich meine, wie lange dieses Ei gekocht hat...
Sie: Du willst es doch immer viereinhalb Minuten haben...
Er: Das weiss ich...
Sie: Was fragst du denn dann?
Er: Weil dieses Ei nicht viereinhalb Minuten gekocht haben kann!
Sie: Ich koche es aber jeden Morgen viereinhalb Minuten!
Er: Wieso ist es dann mal zu hart und mal zu weich?
Sie: Ich weiss es nicht ... Ich bin kein Huhn!
Er: Ach! ... Und woher weisst du, wann das Ei gut ist?
Sie: Ich nehme es nach viereinhalb Minuten heraus, mein Gott!
Er: Nach der Uhr oder wie?
Sie: Nach Gefühl ... eine Hausfrau hat das im Gefühl ...
Er: Im Gefühl? ... Was hast du im Gefühl?
Sie: Ich habe es im Gefühl, wann das Ei weich ist...
Er: Aber es ist hart ... vielleicht stimmt da mit deinem Gefühl was nicht ...
Sie: Mit meinem Gefühl stimmt was nicht? Ich stehe den ganzen Tag in der Küche, mache die Wäsche, bring deine Sachen in Ordnung, mache die Wohnung gemütlich, ärgere mich mit den Kindern rum und du sagst, mit meinem Gefühl stimmt was nicht?
Er: Jaja ... jaja ... jaja ... wenn ein Ei nach Gefühl kocht, dann kocht es eben nur zufällig genau viereinhalb Minuten!
Sie: Es kann dir doch ganz egal sein, ob das Ei zufällig viereinhalb Minuten kocht ... Hauptsache, es kocht viereinhalb Minuten!
Er: Ich hätte nur gern ein weiches Ei und nicht ein zufällig weiches Ei. Es ist mir egal, wie lange es kocht!
Sie: Aha! Das ist dir egal ... es ist dir also egal, ob ich viereinhalb Minuten in der Küche schufte!
Er: Nein – nein ...
Sie: Aber es ist nicht egal ... das Ei muss nämlich viereinhalb Minuten kochen.
Er: Das habe ich doch gesagt!
Sie: Aber eben hast du doch gesagt, es ist dir egal!
Er: Ich hätte nur gern ein weiches Ei ...
Sie: Gott, was sind Männer primitiv!
Sie: Ja ...
Er: Das Ei ist hart!
Sie: schweigt
Er: Das Ei ist hart!
Sie: Ich habe es gehört…
Er: Wie lange hat das Ei denn gekocht...
Sie: Zu viel Eier sind gar nicht gesund...
Er: Ich meine, wie lange dieses Ei gekocht hat...
Sie: Du willst es doch immer viereinhalb Minuten haben...
Er: Das weiss ich...
Sie: Was fragst du denn dann?
Er: Weil dieses Ei nicht viereinhalb Minuten gekocht haben kann!
Sie: Ich koche es aber jeden Morgen viereinhalb Minuten!
Er: Wieso ist es dann mal zu hart und mal zu weich?
Sie: Ich weiss es nicht ... Ich bin kein Huhn!
Er: Ach! ... Und woher weisst du, wann das Ei gut ist?
Sie: Ich nehme es nach viereinhalb Minuten heraus, mein Gott!
Er: Nach der Uhr oder wie?
Sie: Nach Gefühl ... eine Hausfrau hat das im Gefühl ...
Er: Im Gefühl? ... Was hast du im Gefühl?
Sie: Ich habe es im Gefühl, wann das Ei weich ist...
Er: Aber es ist hart ... vielleicht stimmt da mit deinem Gefühl was nicht ...
Sie: Mit meinem Gefühl stimmt was nicht? Ich stehe den ganzen Tag in der Küche, mache die Wäsche, bring deine Sachen in Ordnung, mache die Wohnung gemütlich, ärgere mich mit den Kindern rum und du sagst, mit meinem Gefühl stimmt was nicht?
Er: Jaja ... jaja ... jaja ... wenn ein Ei nach Gefühl kocht, dann kocht es eben nur zufällig genau viereinhalb Minuten!
Sie: Es kann dir doch ganz egal sein, ob das Ei zufällig viereinhalb Minuten kocht ... Hauptsache, es kocht viereinhalb Minuten!
Er: Ich hätte nur gern ein weiches Ei und nicht ein zufällig weiches Ei. Es ist mir egal, wie lange es kocht!
Sie: Aha! Das ist dir egal ... es ist dir also egal, ob ich viereinhalb Minuten in der Küche schufte!
Er: Nein – nein ...
Sie: Aber es ist nicht egal ... das Ei muss nämlich viereinhalb Minuten kochen.
Er: Das habe ich doch gesagt!
Sie: Aber eben hast du doch gesagt, es ist dir egal!
Er: Ich hätte nur gern ein weiches Ei ...
Sie: Gott, was sind Männer primitiv!
Er: (düster vor sich hin) Ich bringe sie um ... morgen bringe ich sie um ...
Die Vielzahl der Absichten beim Sender und die Vielzahl der Interpretationen beim Empfänger können zu grossen und schliesslich auch schwer überbrückbaren Missverständnissen führen! Am Ende des Sketchs sagt die Frau: „Gott, was sind Männer primitiv!“ und der Mann: (düster vor sich hin) „Ich bringe sie um ... morgen bringe ich sie um ... .“ Was braucht es aber, dass sich Emotionen und Konflikte nicht in ähnlich destruktiver Weise aufschaukeln?
Im Rahmen eines emotional kompetenten Umgangs miteinander spielt die Empathie, das Einfühlungsvermögen oder im Minimum die Perspektivenübernahme eine zentrale Rolle. Dieses Verstehen kommt im Loriot-Sketch in der Kommunikation zwischen dem Mann und der Frau weder bei ihm noch bei ihr zustande. Will man es selber besser machen, dann geht es auch darum, sich emotional kompetent zu verhalten[1].
Entscheidende Faktoren der emotionalen Kompetenz
Eine Voraussetzung, um sich in andere einzufühlen und mit deren Emotionen kompetent umzugehen, ist es, auch seine eigenen Gefühle wahrnehmen zu können und einen konstruktiven Umgang damit zu pflegen. Das heisst, sie weder unkontrolliert auszuagieren noch sie zu unterdrücken oder zu verdrängen. Im Folgenden sind fünf entscheidende Faktoren emotionaler Kompetenz aufgeführt[2]:
- Selbstwahrnehmung: Emotionen haben einen starken Einfluss auf unser Denken und Handeln, ob wir wollen oder nicht. Die Frage ist deshalb nicht, ob wir Emotionen zulassen oder nicht, sondern ob wir uns unserer Emotionen bewusst sind oder nicht.
- Kontrolle und Selbststeuerung: Wir müssen sie aber nicht nur wahrnehmen sondern auch „managen“ können, anstatt ihnen ausgeliefert und von ihnen überrollt zu werden. Wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass es nie nur das Ereignis selbst ist, das unsere Gefühle auslöst, sondern dass unsere Wahrnehmung und Bewertung der Ergebnisse einen wesentlichen Einfluss ausübt, welche Gefühle weiter aktiviert werden. Je früher es uns gelingt, unsere eigenen Bewertungen zu reflektieren und allenfalls zu verändern, desto grösser die Chance, dass sich die (negativen) Gedanken und Gefühle nicht hochschaukeln.
Eine andere Variante der Selbststeuerung kann sein, die Situation zwischenzeitlich zu verlassen. Nach einem kurzen „Durchlüften“ fällt es uns vielfach leichter, unsere Gedanken und Bewertungen zu sortieren. - Verbalisieren: Erst wenn wir unsere Gefühle in Worte fassen, sind sie für andere genauer nachvollziehbar und es wird möglich, dass auf sie eingegangen wird. Zudem ist man Gefühlen, die in Worte gefasst sind, selber nicht mehr so ausgeliefert und man schafft eine gesunde Distanz zu ihnen.
- Empathie: Um aufkeimende Konflikte zu lösen oder sie gar nicht erst entstehen zu lassen, ist ein gutes Mass an Empathie entscheidend, die Fähigkeit, die Gefühle und Bedürfnisse anderer Menschen wahrnehmen und verstehen zu können (verstanden haben heisst aber nicht, einverstanden sein!).
- Mit Emotionen anderer umgehen: Das kann beispielsweise so aussehen, dass wir die wahrgenommenen Gefühle verbalisieren und dem Gegenüber somit zeigen, dass wir es emotional verstanden haben. Das kann ein wichtiger Schlüssel zur Konfliktlösung sein. Denn die meisten Menschen gehen dann auf andere zu, wenn sie sich von ihnen verstanden und als Personen akzeptiert fühlen.
Was würden Sie dem Mann und der Frau im Loriot-Sketch nun für Tipps geben? Kennen Sie ähnliche Situationen aus Ihrem beruflichen oder privaten Umfeld und wie werden Sie zukünftig damit umgehen? Diese beiden Fragen gebe ich Ihnen gerne auf den Weg.
Bis bald
Stephan Arnold
EQ-Blog@iek.ch
[1] Ist die Sache schon zu verstrickt, kann der Beizug einer Mediatorin oder eines Klärungshelfers gute Dienste leisten.
[2] - Golemann Daniel (1997). Emotionale Intelligenz. dtv; - Schmidt Thomas (2009). Konfliktmanagement-Trainings erfolgreich leiten. managerSeminare
05.04.2012
Was haben Kindererziehung und Autofahren miteinander
zu tun? Eigentlich gar nichts, denken Sie spontan. Oder vielleicht doch? Bei
mir haben sie auf jeden Fall eine frappante Gemeinsamkeit. Bei beiden gerate
ich mit schöner Regelmässigkeit an meine emotionalen Grenzen. Und dies, obwohl
ich Autofahren eindeutig zu meinen Kernkompetenzen zähle (viele andere offenbar
auch). Dass ich Autofahren kann, oder zumindest darf, habe ich mit einem
Ausweis verbrieft, da gibt’s also keine Zweifel. Dass ich so kompetent bin und ein
Kind erziehen kann, wird von der Gesellschaft vorausgesetzt und vermutet. Jedenfalls
ist die Kindererziehung bis heute noch prüfungsfrei und jedem erlaubt. Aber das
ist ein anderes Thema.
Die Gründe, wieso ich beim Kindererziehen und
Autofahren immer wieder - und manchmal auch ziemlich rasch - aus der Haut
fahren könnte, sollen hier aber nicht aufgedeckt werden. Es wäre ein zu weites
Feld und würde einen zu tiefen Einblick in die Seele des Bloggers gewähren. Der
Fokus liegt mehr beim unterschiedlichen Umgang mit den Emotionen.
Beim Autofahren kann ich meine Gefühle hemmungslos
und unverblümt verbalisieren, meinem Rückspiegel alles anvertrauen und richtig
vom Leder ziehen. Nach diesem befreienden, nicht immer ganz jugendfreien, „Monolog“
geht’s mir viel besser und der Ärger ist
bald einmal verraucht. Aber gelöst ist nichts. Der oder die andere ist im
Verkehr verschwunden und hat wahrscheinlich gar nicht mitbekommen, wie ich mich
geärgert habe und wird sich immer wieder so verhalten. Und ich werde mich immer
wieder ab ähnlichen Situationen aufregen. Insofern ist mein „Monolog“ nicht
viel mehr als Dampf ablassen, aber immerhin.
Bei der Kindererziehung widerstehe ich den Versuchungen,
mich ebenso laut zu äussern, manchmal nur knapp. Denn der Dreikäsehoch spielt
gekonnt auf der Klaviatur der Emotionen seiner Eltern und kann ganz schön
nerven. Grenzen auszuloten, gehört offenbar zum Erwachsenwerden. Dagegen ist
kein Kraut gewachsen, dem stelle ich mich mittlerweilen mit Geduld und
Gleichmut.
Im Unterschied zum Autofahren habe ich bei
Meinungsverschiedenheiten mit dem Dreikäsehoch ein Gegenüber und somit die
Möglichkeit zu kommunizieren, meinen Standpunkt klar zu machen und durchzusetzen.
Das ist nicht immer einfach, mache ich aber mit Einfühlungsvermögen, Respekt
und Wertschätzung. In den meisten Fällen auch mit der notwendigen Klarheit und
Bestimmtheit. Im grossen und ganzen fahre ich mit Zuhören und Erklären
eigentlich ganz gut. Rückschläge gibt’s natürlich immer wieder. Aber am Schluss
des „Dialogs“ sind wir in der Regel beide zufrieden, dass wir das Problem
gelöst haben und uns wieder verstehen und vertragen. Die Nerven sind beruhigt,
die negativen Gefühle machen langsam wieder positiven Gefühlen Platz und im
besten Fall freuen wir uns schon wieder auf etwas Neues.
So ein „Dialog“ ist anspruchsvoll, mühsam
durchzustehen und zeitraubend. Wenn alles durchgestanden ist, macht es aber
auch viel Freude, dass wir zusammen weitergekommen sind und aus dem Konflikt
etwas dazu gelernt haben. Deshalb spricht eigentlich alles für den Dialog und
nichts für den einsamen Monolog im Auto, oder?
Ich wünsche Ihnen schöne Osterferien und hoffe, dass
Sie in keinen Verkehrsstau kommen. Falls
doch, gehen Sie sparsam mit Monologen um….
Freundliche Grüsse Simon Streit
21.03.2012
Zwischen Empathie und Projektion
Talli ist witzig, neugierig, intelligent und vor allem ist er süss. Er freut sich seines Lebens, mag Menschen und ist immer guter Laune. Talli - der junge Trüffelhund, der sich in mein Herz geschlichen hat und seit bald 18 Monaten zu unserem Alltag gehört.
Es ist Donnerstag, ein vollgepackter Arbeitstag neigt sich dem Ende entgegen und langsam wird es Zeit für mich, ins abendliche Pilates -Training zu fahren. Da sitzt er nun stramm auf seinem Hintern und schaut unverwandt zu mir hoch. Ist das jetzt ein trauriger oder sogar schon ein vorwurfsvoller Blick, der mich da unvermittelt aus diesen braunen Hundeaugen trifft? Will er mir etwa mitteilen, dass er doch heute noch gar nicht auf seine Rechnung gekommen ist und er entschieden gegen meine Fitness-Studio-Pläne, dafür um so mehr für einen langen gemeinsamen Spaziergang ist?
Ich bin doch keine Raben-Hundemutter! Schlechtes Gewissen überfällt mich und das Pilates-Training ist auf morgen verschoben.

Auf der Heimfahrt kreisen meine Gedanken um die Frage, inwiefern Hunde wohl wirklich echte Emotionen haben können. Kann Talli denn tatsächlich einen vorwurfsvollen Blick haben? Kann er wirklich traurig sein und ist das ein guter Grund, meine Pläne danach auszurichten? Was ist echt und was nur Einbildung? Wo ist die Grenze zwischen einer halbwegs empathischen Hundebesitzerin und einer „fanatischen Hündelerin“ voller Projektionen? Wann empfinde ich wirklich mit dem Hund – und wann bilde ich mir dies bloss ein? Wann wird der Hund zur Projektionsfläche für irgendwelche Bedürfnisse oder Ängste, die mehr mit dem Hundebesitzer als mit dem Hund zu tun haben?
Ich komme zum Schluss, dass ich diese Fragen wohl nie mit letzter Gewissheit werde beantworten können. Und ganz automatisch mache ich einen Vergleich dazu, wie sich diese Sache mit der Empathie bei den Menschen untereinander verhält. Gibt es nicht auch da immer wieder Situationen, in denen es sich lohnt genauer hinzuschauen und zu überprüfen, wo die Empathie aufhört und die Projektion beginnt? – Ich denke schon. Ein wesentlicher Vorteil, den die Menschen allerdings im Kontakt untereinander haben liegt darin, dass sie sich gegenseitig fast jederzeit fragen können. Wir können unsere Mitmenschen fragen, ob unser Gefühl oder unser Eindruck stimmt. Und wir können dann eine Antwort bekommen. Vielleicht sollten wir dies öfters tun und von diesem natürlichen Vorteil vermehrt Gebrauch machen.
Und bei Talli werde ich mir einfach Mühe geben, einen pragmatischen Umgang mit seinen und meinen Bedürfnissen zu finden. Einmal Pilates-Training und einmal langer Hundespaziergang.
Bis bald
Karin Grisenti
EQ-Blog@iek.ch
Es ist Donnerstag, ein vollgepackter Arbeitstag neigt sich dem Ende entgegen und langsam wird es Zeit für mich, ins abendliche Pilates -Training zu fahren. Da sitzt er nun stramm auf seinem Hintern und schaut unverwandt zu mir hoch. Ist das jetzt ein trauriger oder sogar schon ein vorwurfsvoller Blick, der mich da unvermittelt aus diesen braunen Hundeaugen trifft? Will er mir etwa mitteilen, dass er doch heute noch gar nicht auf seine Rechnung gekommen ist und er entschieden gegen meine Fitness-Studio-Pläne, dafür um so mehr für einen langen gemeinsamen Spaziergang ist?
Ich bin doch keine Raben-Hundemutter! Schlechtes Gewissen überfällt mich und das Pilates-Training ist auf morgen verschoben.

Auf der Heimfahrt kreisen meine Gedanken um die Frage, inwiefern Hunde wohl wirklich echte Emotionen haben können. Kann Talli denn tatsächlich einen vorwurfsvollen Blick haben? Kann er wirklich traurig sein und ist das ein guter Grund, meine Pläne danach auszurichten? Was ist echt und was nur Einbildung? Wo ist die Grenze zwischen einer halbwegs empathischen Hundebesitzerin und einer „fanatischen Hündelerin“ voller Projektionen? Wann empfinde ich wirklich mit dem Hund – und wann bilde ich mir dies bloss ein? Wann wird der Hund zur Projektionsfläche für irgendwelche Bedürfnisse oder Ängste, die mehr mit dem Hundebesitzer als mit dem Hund zu tun haben?
Ich komme zum Schluss, dass ich diese Fragen wohl nie mit letzter Gewissheit werde beantworten können. Und ganz automatisch mache ich einen Vergleich dazu, wie sich diese Sache mit der Empathie bei den Menschen untereinander verhält. Gibt es nicht auch da immer wieder Situationen, in denen es sich lohnt genauer hinzuschauen und zu überprüfen, wo die Empathie aufhört und die Projektion beginnt? – Ich denke schon. Ein wesentlicher Vorteil, den die Menschen allerdings im Kontakt untereinander haben liegt darin, dass sie sich gegenseitig fast jederzeit fragen können. Wir können unsere Mitmenschen fragen, ob unser Gefühl oder unser Eindruck stimmt. Und wir können dann eine Antwort bekommen. Vielleicht sollten wir dies öfters tun und von diesem natürlichen Vorteil vermehrt Gebrauch machen.
Und bei Talli werde ich mir einfach Mühe geben, einen pragmatischen Umgang mit seinen und meinen Bedürfnissen zu finden. Einmal Pilates-Training und einmal langer Hundespaziergang.
Bis bald
Karin Grisenti
EQ-Blog@iek.ch
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