30.08.2012

Bin ich selbst verantwortlich für meine Gefühle?

Ich war in den letzten Tagen zweimal mit dem Auto auf derselben Strecke Langnau-Burgdorf unterwegs. Bei der ersten Fahrt war ich etwas spät unterwegs und hatte das Gefühl, ein Opfer verschiedener ärgerlicher Umstände zu sein. Gerade jetzt, wo ich es eilig hatte, wurden mir verschiedene Hindernisse zum Vorwärtskommen in den Weg gestellt. Mein Ärger wurde in meinem Empfinden durch das Verhalten anderer Personen bzw. durch äussere Umstände und Ereignisse verursacht. Nach der zweiten Fahrt, bei der ich nicht unter Zeitdruck stand, konnte ich am Bahnübergang einem schönen Song lauschen, der gerade im Radio lief, und ich beobachtete die verschiedenen Verkehrsteilnehmer und hing meinen Gedanken nach. Auch wenn es einmal stockend vorwärts ging, konnte ich die Fahrt schon fast meditativ geniessen.

Was hatten geschlossene Barrieren, landwirtschaftliche Fahrzeuge, die meine Höchstgeschwindigkeit begrenzten, oder der stockende Innerortsverkehr mit meinen unterschiedlichen Gefühlslagen zu tun? Wenn ich es genauer bedenke, eigentlich nichts. Beide Male war ich ähnlichen äusseren Umständen und Verhaltensweisen anderer Personen ausgesetzt und dennoch war mein Empfinden komplett ein anderes. Es sind somit nicht die Anstöße von aussen, die meine Gefühle verursachten, sondern meine Gefühle entstanden dadurch, wie ich diese Impulse wahrgenommen, eingeordnet und schliesslich darauf reagiert habe.

Noch ein weiteres Beispiel: Wenn ein Kollege schlecht über mich redet, dann fühle ich mich in der Regel verletzt und ärgerlich - „und er ist schuld daran, dass ich mich so fühle“. Jedoch ist die Tatsache, dass er über mich geredet hat, nicht ursächlich dafür verantwortlich, dass ich mich aufrege. Wenn ich es nie erfahren hätte, hätte ich mich nicht aufgeregt. Auch hier zeigt sich, dass meine Gefühle hauptsächlich von mir abhängen bzw. davon, wie ich Ereignisse interpretiere und darauf reagiere. Eigentlich müsste ich mich nicht schlecht fühlen, wenn jemand garstig über mich redet, auch wenn ich es erfahre. Ich kenne Personen, die bleiben bei so etwas vollkommen ruhig, denen ist das ganz egal. Die Reaktion hängt also von mir ab und ist somit auch durch mich beeinflussbar.

Zugegeben, Ereignisse von aussen oder Verhaltensweisen von anderen können wir schlecht kontrollieren. Aber wir können unsere Wahrnehmung, Interpretation und Reaktion darauf steuern, ändern und trainieren - wenn wir das wirklich wollen.

Eigenverantwortung zu übernehmen ist sehr wichtig, wenn wir unser Leben selbst bestimmen wollen. Und Verantwortung für unsere Gefühle zu übernehmen, ist in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung, wie ich immer wieder einmal selber erfahre.

Bis bald
Stephan Arnold

EQ-Blog@iek.ch

17.08.2012

Emotionales Wechselbad

Ferienzeit ist Reisezeit. Wir haben diesen Sommer mit unserem 6-jährigen Sohn eine Tour mit dem Motorhome durch die Nationalparks des Südwestens der USA geplant. Ein Monat Ferien am Stück ist etwas eher Einmaliges und ein Trip mit dem Camper durch die Wildnis so oder so etwas, das man nicht so schnell wieder machen wird. Umso mehr haben wir uns auf dieses Erlebnis gefreut und geplant, was wir alles unternehmen wollten.

Die "gefürchteten" Einreiseformalitäten für die USA hatten wir elektronisch glücklich bewältigt, den Nationalpass für die Parks im Gepäck und die letzten Reservationsbestätigungen für die beliebtesten Parks erhalten. Im Büro waren die Dossiers übergeben, die Pendenzen abgearbeitet und das Pult fein säuberlich aufgeräumt. Mit anderen Worten, wir waren "ready for take off".

Und zweitens kommt es anders als man denkt. Den ersten Zug nach Zürich haben wir noch ganz knapp erwischt, obwohl sich unser Taxichauffeur verschlafen und uns versetzt hatte. Aber es hat noch gereicht. Umso grösser die Entspannung und wohlige Freude, als sich der Zug pünktlich in Bewegung gesetzt hat. Wer kennt es nicht, das befreiende Gefühl, wenn nach den letzten hektischen Momenten, dann endlich die Ferien tatsächlich beginnen und man die letzten Sorgen zu Hause lässt.

So auch wir. Das ersehnte Reiseziel kam schon ein wenig näher und in ein paar Stunden würden wir über den Wolken Richtung Westen schweben. Ahh tat das gut ! Noch ein Espresso von der Mini Bar, sich rasch vergewissern ob der Pass nun tatsächlich in der Jacke und nicht mehr auf dem Küchentisch ist usw. Nichts Aussergewöhnliches. Das Einchecken ging überraschend schnell und einfach, auch beim Security Check konnten wir die Beamten rasch wieder beruhigen und die vermeintliche Rohrbombe als Verpackungsröhre der Pringles-Chips entlarven. Die langersehnten Ferien wurden immer greifbarer.
Nach 2 Stunden freudiger Langeweile in der Abflughalle begann das Boarding mit nur 20 Minuten Verspätung. Kein Problem, das sollte noch reichen um den Anschlussflug in Philadelphia zu erreichen. Nur kein Stress, es kommt alles gut. Amerika wir kommen! Freude herrscht!



Wir haben uns angeschnallt, die Cockpit Türe ging runter, das Flugpersonal hat die over head Fächer mit Schwung zugeknallt, die Passagiere ein letztes Mal gezählt und dann…

Hat sich unser Sohnemann über Kopfweh und Bauchschmerzen beklagt, sich gleich darauf übergeben müssen, erschöpft seinen Kopf in den Schoss der Mutter gelegt und gesagt er sei sehr müde er möchte schlafen. Wir waren völlig perplex, verstanden die Welt nicht mehr und versuchten zu begreifen, was da eben passiert war und was unserem Kind fehlte. Äussere Anzeichen gab es keine, kein Fieber, nur noch etwas Kopfweh. War es nur die Aufregung? Eine kleine Sommergrippe? War es das warme Buttergipfeli in der Abflughalle gewesen? Oder bahnte sich etwas Gravierendes an? Wir waren wirklich ratlos.
Es war fast wie im Film. Nur waren wir diesmal die Hauptdarsteller, beobachtet von 200 Flugpassagieren, die einen mit vorwurfsvollen und wütenden Blicken anstarrten, als der Abflugprozess gestoppt, das Flugzeug wieder angedockt und die Türe wieder geöffnet wurde. Der Flugkapitän wollte einen Notarzt an Bord holen lassen, um zu klären, ob er mit uns an Bord losfliegen kann oder nicht.
Da haben wir uns entschlossen wieder von Bord zu gehen und unseren Ferientraum platzen zu lassen. Innerhalb ein paar Minuten hat sich die wohlige Vorfreude auf die Ferien in Sorge und Angst um die Gesundheit unseres Sohnes und in eine riesige Enttäuschung gewandelt.
Nach dem wir vom Airport-Medical Center ins Kinderspital geschickt worden waren, konnten wir kurz vor Mitternacht, zum Glück zusammen mit unserem Sohn, wieder nach Hause fahren. Unsere "Reise" hatte etwas weniger lange gedauert als geplant, hat uns aber durch ein unglaubliches Auf und Ab von Gefühlslagen geführt und das emotionale Wechselbad war eine echte Herausforderung gewesen. Nicht unbedingt zur Nachahmung zu empfehlen. Aber am Schluss dieses langen Tages, waren wir trotz allem einfach froh, dass die Diagnose nicht gar so schlimm war, wir uns richtig entschieden hatten und es nicht schlimmer ausgegangen ist. Zum Glück hatte das Flugzeug Verspätung gehabt, sonst wären wir bereits in der Luft gewesen und hätten vielleicht irgendwo in der "Pampa" zwischenlanden und von Bord gehen müssen.
Ich hoffe Ihre Ferien sind etwas ruhiger verlaufen…
Bis bald
Simon Streit






27.07.2012

Wider alle Vernunft - und doch muss es sein!

Es gibt Frauen, die tragen ihren Besitz in der Handtasche mit sich herum. Bei mir liegt alles (inklusive natürlich der Tasche) im Auto. Deshalb war mein Auto bisher eher geräumig und vor allem praktisch - Marke und Aussehen hingegen eher unwichtig. Denn eigentlich bin ich der Meinung, dass Autos mich nicht interessieren und meine beiden Kriterien sind: Es muss "funktionieren" und eine Sitzheizung haben. Das war so bis ich dann diesen ….



… sah und mich ein wenig verliebte.

Die vorwiegend männlichen Argumente gegen einen Kauf waren: „Unmöglich“, „zu unpraktisch“, „viel zu klein“, „zu teuer“ und überhaupt ... „das ist ja kein richtiges Auto“.

Alle vorgetragenen Argumente konnte ich absolut nachvollziehen und ich war eigentlich sogar mit ihnen einverstanden. Aber irgendwie nützte alles nichts, denn ich wollte ihn, diesen süssen kleinen Kerl. Nicht zuletzt passte in meiner Vorstellung sogar die Farbe perfekt zu meinem Hund!

Und los ging’s, mit Mann und Hund und Sack und Pack in Richtung Frankreich. Siehe da, fast zu meinem Erstaunen ging auch alles rein. Die Packerei dauerte zwar ein wenig länger, denn es handelte sich hier um eine kleine Generalstabsübung und um Millimeterarbeit. Aber alles eigentlich kein Problem, einzige Erschwernis war der männliche Kommentator, der die Sticheleien nicht lassen konnte … bis mir dann der Kragen platzte und ich engagiert in Verteidigungsstellung trat ... so fing die erste Reise mit einem kleineren Disput an, der dann allerdings bei offenem Dach und coolem Sound bald in der Sonne geschmolzen ist!

Und wenn ich ganz ehrlich bin: ein bisschen unpraktisch ist er wirklich - nur Spass machen tut er trotzdem!

Schöne Sommertage und bis bald,

Karin Grisenti Schneider

18.07.2012

Kopf oder Bauch? Wie entscheide ich mich richtig?

Soll ich ans Meer in die Ferien fahren oder in die Berge? Soll ich heute Abend ins Kino oder doch lieber essen gehen? Welche Hose ziehe ich morgen an, die schwarze oder die blaue?

Tagtäglich treffen wir hunderte von Entscheidungen. Nicht immer wissen wir, was im entscheidenden Moment richtig ist, aber wir gehen im Allgemeinen davon aus, dass dem Kopf (unserer Kognition) im Entscheidungsprozess eine tragende Rolle zukommt. Forschungsergebnisse weisen jedoch in eine andere Richtung. So gilt als erwiesen, dass Entscheide vorwiegend emotional gefällt werden - und dies in Sekundenschnelle - und dass erst nachträglich eine kognitive Erklärung gesucht wird, um den Entscheid für sich selber und die anderen nachvollziehbarer zu machen.

Wenn  Ihnen ein „Motivationsguru“ allerdings sagt: «Folge einfach deinem Bauch! Der Bauch hat immer Recht!», dann sollten Sie diesem Rat nicht unbedingt um jeden Preis folgen. So kommt es darauf an, wie wir bei Entscheidungen die beiden Ebenen Verstand und Bauchgefühl in Einklang bringen. Die somatischen Marker* helfen bei der Vorbewertung verschiedener Handlungsoptionen, und sie verleihen ein Gefühl der Sicherheit, der Ruhe nach einer Entscheidung.  Es geht darum, zu spüren was für uns gut ist. Ohne den Verstand, der abwägt und Szenarien entwirft, geht es aber nicht.

Gut entscheiden bedeutet auch, die richtigen Fragen zu stellen. Jemand fragt sich vielleicht alle paar Jahre, ob er den gut dotierten Job kündigen und es doch noch als Musiker versuchen sollte. Hilfreicher wäre hierbei möglicherweise die Frage, wie es ihm gelingt, seine unerfüllten Bedürfnisse in seinen Alltag zu integrieren. So kommen wir weg vom Entweder-oder-Schema. Das Beispiel zeigt, wie Bauchgefühl und Verstand sich ergänzen können. Das Bauchgefühl rät dem Mann vermutlich dazu, den Versicherungsjob zu kündigen, sich mit dem Saxofon auf die Strasse zu stellen und darauf zu hoffen, das Universum trage ihn und fülle den Hut mit Geld. Der Verstand gibt ihm die Möglichkeit, eine vernünftige Strategie zu entwickeln, zum Beispiel das Pensum auf 80 Prozent zu reduzieren und einmal pro Woche in einem Jazz-Keller zu spielen.

Oftmals  haben wir auch Angst, die Weichen falsch zu stellen, und vergessen dabei, wie viele Zufälle unser Leben prägen. Der Mensch überschätzt systematisch die Planbarkeit seiner Existenz und damit auch die Konsequenzen seiner Entscheidungen. Wir erliegen viel zu sehr einer Kontrollillusion und glauben, es gebe eine richtige Entscheidung, die wir um jeden Preis finden müssen. Dabei wissen wir kraft unseres Verstandes: Was richtig oder falsch ist, zeigt sich immer erst im Nachhinein.

Man kann die Güte seiner Entscheidungen aber definitiv erhöhen, wenn man sowohl auf seinen Bauch als auch auf seinen Kopf hört. Emotionen sind für gute Entscheidungen also unentbehrlich! Und schon sind wir wieder beim Thema emotionale Kompetenz. Ohne die geht also auch bei Entscheidungen nichts.






Ich habe mich dieses Jahr für das Meer und die toskanischen Hügeln entschieden … schöne Ferien allerseits! :-)


Ursula  Stalder

*Ein somatischer Marker ist eine den Körper betreffende Wahrnehmung. Dabei können alle Körperempfindungen als somatische Marker fungieren. Somatische Marker lenken die Aufmerksamkeit entweder auf ein positives oder negatives Erlebnis, “das eine bestimmte Handlungsweise nach sich ziehen kann.” (Damasio 1997, S. 237). Auf diese Weise nehmen wir eine Körperempfindung zum Beispiel als intuitives Start- oder Stoppsignal bezüglich einer bestimmten Entscheidung wahr.

EQ-Blog@iek.ch

10.07.2012

EQ im Schlafwagen

Bevor ich mit meiner kleinen Geschichte beginne, vielleicht noch folgende Vorbemerkung: Ich glaube von mir sagen zu können, dass ich vermutlich ein durchschnittlich kritischer Kunde bin – also weder gleich sofort mit allem zufrieden noch ein „ewiger Stänkerer“, dem man es ohnehin nie recht machen kann.

Neulich fuhr ich also mit der Bahn im Auto-Nachtzug von Lörrach nach Hamburg. Bei der Inanspruchnahme dieser Dienstleistung (der DB übrigens, nicht der SBB) gab es nun einige Punkte, die mich als Kunden in der Tat hätten unzufrieden machen können: Abgesehen vom extrem hohen Preis (für das gleiche Geld könnte man mindestens 4 mal dieselbe Strecke mit dem Flugzeug zurücklegen) waren es, kurz zusammengefasst, folgende Mängel, die man hätte beanstanden können:

Die Kabine war derart klein, dass sich die Reisenden (zwei erwachsene Personen und ein Hund) unmöglich einigermassen normal darin hätten bewegen können. Die Klimaanlage verursachte entweder eine unangenehme Kühle oder dann gleich eine unausstehliche Hitze. Etwas dazwischen war anscheinend nicht möglich. Der Liegeplatz war derart hart, dass einem am andern Morgen alle Knochen weh taten. Das Frühstück bestand primär aus schlechtem Kaffee und alten Brötchen. Schliesslich war auch das Wetter bei unserer Ankunft am frühen Morgen in Hamburg nicht unbedingt dazu angetan, um uns in besonders gute Stimmung zu versetzen. Es regnete nämlich in Strömen bei knapp 10 Grad – und dies im Juni! So weit so gut.

Wer nun allerdings denkt, dass ich auf dieser Reise besonders gelitten hätte oder sonst in irgend einer Weise unzufrieden war, der hat die Rechnung ohne den Wirt – bzw. ohne den Zugbegleiter der Deutschen Bahn gemacht! Es war ein älterer freundlicher Mann, der uns auf dieser Reise bediente. Vermutlich war dies nicht eine Tätigkeit, die er schon sehr lange ausübte – eher so eine Art Arbeitslosenprojekt, dachte ich mir. Er war denn auch nicht besonders geschickt, sondern verwechselte manchmal die einzelnen Kabinen und verspätete sich dadurch ein bisschen beim Service. Auch die Um-Montage der Abteile in eigentliche Liegeplätze (wozu offiziell nur der Zugbegleiter berechtigt war – aber eben, der konnte das auch nicht richtig) schien ihm einige Mühe zu bereiten, so dass er dies nicht immer auf Anhieb schaffte und es einige Zeit dauerte, bis alle Reisenden für die bevorstehende Nacht die“ Liegepositionen“ einnehmen konnten.

Doch seine rundum sehr freundliche Art, sein überaus charmantes Lächeln und seine innere Ruhe und Zufriedenheit, die er trotz all der widrigen Umstände ausstrahlte – all dies bewirkte ein kleines Wunder. Durch seine grosse Authentizität und sein glaubwürdig gezeigtes Bemühen, alles in seiner Macht stehende zu tun, um uns die Reise so angenehm wie nur immer möglich zu gestalten, gelang es ihm irgendwie, eine positive Stimmung zu kreieren. Niemand wurde wirklich ungeduldig, alle hatten irgendwie Verständnis. Wo gibt es denn heutzutage noch so etwas? Eine Oase voller Gelassenheit und gegenseitigem Respekt. Man verzieh ihm die alten Brötchen genauso wie man Verständnis aufbrachte für seine offensichtlichen fachlichen Unzulänglichkeiten. Da war einfach jemand, der ehrlich darum bemüht war, seinen Kunden um jeden Preis ein gutes Gefühl zu vermitteln. Darin war er sensationell gut und konsequent. Seine Zufriedenheit war einfach ansteckend. Er schaffte es schliesslich auch, mich auf angenehme Art daran zu erinnern, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt als frische Brötchen und guten Kaffee.

Und so standen wir dann nach der Ankunft in der Kälte im Hamburger Regen, warteten geduldig auf unser Auto und hofften, dass wir  bei der nächstgelegenen Autobahnraststätte in Ruhe frühstücken konnten. Die Welt war für uns völlig in Ordnung.

Manchmal denke ich mir, dass solche Menschen für eine Firma im Wettbewerb um zufriedene Kunden weit mehr erreichen können als manche anderen – zweifellos gut gemeinten – Optimierungsmassnahmen.

Bob Schneider

EQ-Blog@iek.ch

20.06.2012

Change ist eine hochemotionale Angelegenheit


Schön ist es doch, wenn sich Kreise im Leben schliessen. Vor 25 Jahren hat mich ein Führungsseminar von Klaus Doppler, dem bekannten Change-Management-Guru aus Deutschland, sozusagen zum Leben erweckt. Nach 25 Jahren echtem lebendig sein, habe ich nun Klaus Doppler in einem Seminar wiedergetroffen. Heute, über 70 Jahre alt, strahlt er immer noch dieselbe jugendliche Tat- und Inspirationskraft und geistige Agilität aus, wie damals.... Und er hat ein neues Buch zu Emotionen im Management bzw. in Veränderungsprozessen geschrieben. Ein Thema, mit dem ich mit in meinem Arbeitsalltag im iek immer wieder auseinandersetze. Soviel zum Kreis, der sich schliesst. Das Buch finde ich sehr lesenswert und ich möchte es hier vorstellen.

Change Management ist heute Alltagsmanagement. Denn kein Unternehmen kann sich mehr darauf verlassen, morgen noch die gleichen Bedingungen vorzufinden wie heute. Aus diesen Anforderungen heraus sind vielfältige Methoden des Change Management entstanden. Nur eins wird gemäss Klaus Doppler systematisch übersehen. Nämlich, dass Change eine hochemotionale Angelegenheit ist. In seinem neuen Buch "Feel the Change" vermittelt er deshalb Managern die Grundlagen, um die Mitarbeiter vor allem mental auf die Anforderungen und Notwendigkeiten von Changeprozessen vorzubereiten.

Gefühle sind keine Schmuddelkinder
Auch wenn in Unternehmen vermeintlich rationale Prozesse im Vordergrund stehen. Die wahre Dynamik eines Unternehmens entwickelt sich im Zusammenspiel der Menschen. Es geht um Macht, um Angst, um Risikoverliebtheit und Angst vor dem Risiko, es geht um Egoismen, Kontrolle und um Kontrollverlust. Klaus Doppler und Bert Voigt beschreiben im ersten Kapitel von "Feel the Change" die "Macht der Gefühle". Zeigen, warum die emotionale und die rationale Bewertung und Wahrnehmung zusammengehören. Und warum es ein Unding ist, dass "Gefühle" im Management wie Schmuddelkinder behandelt werden - obwohl sie das Unternehmensergebnis mehr beeinflussen, als manchen lieb ist.

Die sieben Stufen der emotionalen Steuerung
Wie sich Mitarbeiter für Veränderungen gewinnen lassen, zeigen Doppler und Voigt anhand der "sieben Stufen der emotionalen Steuerung":
  1. Unbehagen mit dem Status quo bewirken. Denn "Menschen verändern sich nicht ohne Not. Als Energiesparer tun sie zunächst alles, um jedwede Veränderung zu vermeiden." 
  2. Lust und Energie zum Verändern entstehen lassen. Hier geht es darum "die kognitive Dissonanz zwischen Wissen und Handeln so deutlich zu machen, dass sie das vorherrschende Gleichgewicht kippen lässt."
  3. Die Zukunft greifbar machen. Und zwar durch eine "eindeutige Botschaft, anknüpfend an die eigene Person und emotional so stark mobilisierend, dass man seiner Wirkung nicht entkommen kann." 
  4. Mental mobilmachen. Damit bezeichnen Doppler und Voigt die Aufgabe, ein "stabiles inneres Leitprogramm zu etablieren", um nicht Gefahr zu laufen, dass die Mannschaft bei den ersten Schwierigkeiten die Flinte ins Korn wirft.
  5. Zeichen zum Aufbruch setzen. Ein Changeprozess ist kein Spaziergang. Es kommt deshalb auf den gut vorbereiteten (und inszenierten) Aufbruch an. Auf den "Startschuss".
  6. Anker lichten und alte Ufer verlassen. Die Phase, in der es darum geht, "das richtige Gemisch aus Freude, Angst, Erwartungen, Hoffnungen, Wünschen, Befürchtungen, Begeisterung, Sehnsucht und Leidenschaft herzustellen."
  7. Das Gefühl erzeugen, auf dem richtigen Weg zu sein. Vorausgesetzt, es ist der richtige Weg. Ansonsten gilt: "Karten auf den Tisch und die bisherigen Lernerfahrungen ummünzen!"

Auf zu neuen Ufern
Um diese sieben Schritte umzusetzen, ist viel Fingerspitzengefühl und viel Selbsterkenntnis erforderlich. Das vermitteln die beiden Autoren Doppler und Voigt anhand guter Selbsttests und indem sie sehr gut auf die nur allzu bekannten Widerstände eingehen. Managementbuch.de - Fazit: "Feel the Change" zeigt Managern und Führungskräften, wie sie ihre Mannschaft auch emotional zu neuen Ufern führen.

http://www.amazon.de/dp/3593394731 Viel Spass und gefühlte Erkenntnis beim Lesen :-)

Bis bald

Ursula Stalder

EQ-Blog@iek.ch

12.06.2012

Geld und Geist


Schon Jeremias Gotthelf hat sich mit den materiellen Zwängen des Daseins beschäftigt und das Thema aufgegriffen, wie Geld und Geist nebeneinander bestehen können. Im Roman verliert der Bauer (Unternehmer) durch "eigenes Ungeschick " eine grosse Summe Geld. Der Verlust führt zu Verbitterung, Groll und Entfremdung in der Familie.


Finanzielle Verluste mit gravierenden Folgen für Wirtschaft und Familie hat es schon immer gegeben und wird es immer geben. Aber wenn früher die wirtschaftlichen Folgen noch überschaubar waren, nehmen heute die "ungeschickten" Handlungen Einzelner aufgrund der wirtschaftlichen Verflechtungen, der Organisation der Finanzmärkte und nicht zuletzt wegen der Globalisierung der Wirtschaft unheimliche Dimensionen an.

In den letzten Monaten haben mehrere renommierte Banken durch "eigenes Ungeschick", d.h. durch Finanztransaktionen oder Spekulationen einzelner Mitarbeiter, Milliardenverluste hinnehmen müssen. Die Nachricht hat die Finanzmärkte und das Vertrauen in die entsprechenden Häuser massiv erschüttert. Auch hier sind wohl Verbitterung, Groll und Entfremdung die Folge gewesen - allerdings weltweit und nicht nur im hinteren Emmental.

Ohne die Abläufe, genauen Hintergründe oder Mechanismen solcher Finanztransaktionen genau zu kennen, habe ich versucht mir vorzustellen, was einen Börsenhändler dazu führen kann - respektive was bei ihm emotional abläuft, wenn er mit ein paar Mausklicks mehrere Milliarden Dollars, Euros oder Franken in den Sand setzen kann. Ist es "eigenes Ungeschick", oder was steckt dahinter?


Solche Supermänner werden von den Bankinstituten mit Millionen belohnt, wenn sie am Markt besser sind als die anderen Teilnehmer und entsprechend Gewinne mit spekulativen Finanztransaktionen aller Art hereinholen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an und der Druck auf die Händler.

Börsianer stehen zum Teil im Sekundentakt im Wettbewerb mit tausend anderen, die sich an den Märkten tummeln und miteinander messen. Wie schafft man es, besser zu sein als die anderen Marktteilnehmer? Wie kommt man schneller zu besseren Informationen? Wie kann man schneller sein als die Konkurrenz und wie kann man schlicht und einfach cleverer sein als die anderen? Das bedeutet oft, dass man den nächsten Schritt der anderen erahnen muss, bevor dieser ausgeführt wird. Das ist gar nicht so einfach und führt zu schwierigen Entscheiden, die oft einen spekulativen Hintergrund haben.

Der Händler muss antizipieren, wie es am Markt weitergehen wird. In welche Richtung werden die anderen Marktteilnehmer tendieren? Dieser Gedankengang muss vorweggenommen werden. Wie muss ich mich positionieren, damit ich so entscheide, wie es die Mehrheit tun wird. Diese Marktmeinung richtig zu erahnen, ist das A und O an der Börse und entscheidet über Gewinn oder Verlust. Eigentlich ganz einfach, oder? Man muss von zwei verschiedenen Möglichkeiten nur die richtige auswählen. Gehe ich long, oder eher short? Dollar kaufen, oder verkaufen?



Neben viel fachlichem Know-how ist auch eine hohe emotionale Kompetenz notwendig, damit man sich beim Handeln nicht von Lust und Gier auf Gewinn verleiten lässt und dabei das Risiko eines Verlustes völlig ausblendet. Der Händler muss die Fähigkeit und Bereitschaft haben, bei Entscheidungen bewusst ein kalkuliertes Risiko einzugehen. Er darf sich aber nicht von allzu risikobehafteten Geschäften mit hohem Gewinnpotenzial verleiten lassen und muss fähig sein, bei seinen Entscheiden den Nutzen für die Stakeholder der Organisation und den langfristigen Unternehmensvorteil im Auge zu behalten. Das ist sicher nicht einfach, wenn der kurzfristige Gewinn mit horrenden Boni versüsst wird. Hier braucht der Händler sehr viel Charakter und in einem gewissen Sinne auch eine soziale Verantwortung, damit er bei seinen Entscheiden auch die längerfristigen ökonomischen und sozialen Folgen seines Handelns berücksichtigt. Nur so kann er im Markt auf Dauer bestehen.

Heute wie zu Jeremias Gotthelf's Zeiten müssen unternehmerische Entscheide mit Fach- und Sozialkompetenz getroffen werden. So können "eigenes Ungeschick" und wirtschaftliche Misserfolge am ehesten vermieden werden und Geld und Geist nebeneinander florieren.

Bis bald

Simon

EQ-Blog@iek.ch