Es gibt vermutlich eine lange Liste von Dingen, die gerade dringlicher oder wichtiger wären, als diesen Beitrag zu lesen – mindestens mir geht es bisweilen so. Beispielsweise Berichte schreiben, administrative Arbeiten auf Vordermann bringen, Workshops vorbereiten, usw. … Aber morgen ist ja noch Zeit dafür und im Notfall gibt es noch die Wochenenden...
Obwohl Selbst- und Zeitmanagement auf den ersten Blick vor allem mit Management im Sinne von sich Ziele setzen, Planen, Entscheiden und Umsetzen in Verbindung gebracht wird, hat es auch einen ausgeprägten emotionalen Impact. Unerledigtes stresst. Das In-die-Länge-ziehen verhindert oft, in den aufgeschobenen „freien“ Stunden wirklich abzuschalten und sich zu erholen. Dazu kommt das schlechte Gewissen, die Zeit nicht effizient zu nutzen, was eher mit Ärger, Frust und einem Gefühl des Unvermögens einhergeht als mit Freude, Stolz und Selbstwirksamkeitsüberzeugung.
Ein bisschen aufzuschieben ist vermutlich ganz normal und einen kleineren Stapel unerledigter Dinge haben wir sicher alle. Ich habe mir aber wieder einmal vorgenommen, mit weniger schlechten Gefühlen darunter „zu leiden“. Einerseits bemühe ich mich um eine realistische Planung, an die ich mich dann auch wirklich halte. Letzteres gelingt dann besser, wenn ich die optimistischen und manchmal zu hoch gesteckten Erwartungen etwas tiefer ansetze. Die Erfahrung zeigt, dass vieles oft doppelt so lange braucht, wie anfangs geschätzt (das ist übrigens nicht nur meine Erfahrung; in der Zeitmanagementliteratur spricht man in diesem Zusammenhang von der 50:50-Regel). Andererseits versuche ich, mir bewusst freie Zeiten zu nehmen und die Arbeit dann ohne schlechtes Gewissen beiseite zu lassen.
Negative Gefühle und Aufschieben treten oft gemeinsam auf und bestärken sich in einem Teufelskreis gegenseitig. Im Umkehrschluss bestärken sich auch positive Gefühle und Anpacken gegenseitig in einem „Engelskreis“. Emotional kompetentes Selbstmanagement bedeutet für mich, sowohl meine Aufgaben als auch meine damit verbundenen Gefühle bewusst zu managen. Ich kann somit sowohl auf der Ebene von Gefühlen, Einstellungen und Bewertungen Einfluss nehmen (z.B. Auszeiten ohne schlechtes Gewissen, eigene Erwartungen, usw.), als auch auf der Ebene des konkreten Handelns (realistische Planung, Getting Things Done, usw.). Ich leide keineswegs unter extremer Aufschieberitis, aber dennoch habe ich mir wieder einmal vorgenommen, mein Selbstmanagement emotional kompetent weiterzuentwickeln.
Bis bald
Stephan Arnold
EQ-Blog@iek.ch
Herzlich willkommen auf unserem EQ-Blog. In regelmässigen Abständen veröffentlichen wir verschiedene Beiträge rund um das Thema emotionale Kompetenz. Es sind Anregungen zum Thema „Bedeutung von und Umgang mit Emotionen in der Arbeitswelt“. Die Palette der Inhalte ist breit gewählt – von erkenntnistheoretischen Reflexionen und eher wissenschaftlich orientierten Beiträgen über anschauliche Praxisberichte aus dem iek bis hin zu witzigen Episoden aus dem ganz normalen Alltag.
13.11.2012
19.10.2012
2 Monate Zeit – jungfräulich und unberührt
Lange ist es her, dass ganze zwei Monate so unberührt und schon fast jungfräulich vor mir gelegen sind. Zeit, die - abgesehen von ein paar Flugdaten - frei von jeglichen Terminen und Verpflichtungen ist.
Zu meinem runden Geburtstag - welcher sei hier nicht verraten - habe ich 2 Monate Zeit geschenkt bekommen. Vielleicht gerade weil Zeit für mich in den letzten Jahren ein rares Gut gewesen ist, wollte ich unbedingt das Richtige und Ultimative auswählen und ja nichts verpassen.
Meine Gedanken reisten – um nicht zu sagen rasten über den ganzen Globus. Ich evaluierte, plante, verwarf und wägte Vor- und Nachteile ab. Wie ein funkelnder Weihnachtsbaum mit vielen farbigen Päckli - oder anders ausgedrückt: die Palette an Möglichkeiten wollte fast nicht enden: Andere Länder, neue Kulturen, von Yoga über Ayurveda bis hin zum Sprachkurs und natürlich war da mein mich immer begleitendes Thema: Wo sind Wellen und Wind zu welcher Jahreszeit am besten? … Und mein Bauch schwieg und schwieg und wollte sich gar nicht äussern. Und ich stand da - ganz untypisch für mich - und hatte keinen Plan und traf keine Entscheidung. Es fühlte sich unheimlich an, irgendwie ärgerlich und doch zu meinem Erstaunen irgendwann auch richtig.
So zogen die Wochen ins Land und ich freundete mich allmählich mit dem Gedanken an, dass da einfach zwei Monate Zeit sein werden – und ich fing an, mich darauf zu freuen, planlos unterwegs zu sein.
Die ersten Wochen geht es nun mit zwei lieben Freundinnen nach Bali und ich bin voller Vorfreude und Spannung, mich einfach überraschen zu lassen davon, was auch immer kommen oder eben nicht kommen wird.
… Und weil ich doch nicht ganz aus meiner Haut kann und die Vorteile eines kitzekleinen Plans durchaus doch zu schätzen weiss, sind auch einige Wochen Surfen auf den Philippinen angesagt und ich freue mich darauf, dass mir der Wind wieder einmal so richtig um die Ohren blasen wird.
Und hier noch eine kurze Geschichte, die Dani Meier, Weiterbildungsforum Basel, während einer Ausbildung erzählte und die einfach grad gut passt.
Ich wünsche euch allen eine gute Zeit.
Karin Grisenti Schneider
Die Geschichte von Ithaka - von Konstantinos Kavafis
Brichst du auf gen Ithaka,
wünsch dir eine lange Fahrt,
voller Abenteuer und Erkenntnisse.
Die Lästrygonen und Zyklopen,
den zornigen Poseidon fürchte nicht,
solcherlei wirst du auf deiner Fahrt nie finden,
wenn dein Denken hochgespannt, wenn edle
Regung deinen Geist und Körper anrührt.
Den Lästrygonen und Zyklopen,
dem wütenden Poseidon wirst du nicht begegnen,
falls du sie nicht in deiner Seele mit dir trägst,
falls deine Seele sie nicht vor dir aufbaut.
Wünsch dir eine lange Fahrt.
Der Sommermorgen möchten viele sein,
da du, mit welcher Freude und Zufriedenheit!
In nie zuvor gesehene Häfen einfährst;
Halte ein bei Handelsplätzen der Phönizier
Und erwirb die schönen Waren,
Perlmutter und Korallen, Bernstein, Ebenholz
Und erregende Essenzen aller Art,
so reichlich du vermagst, erregende Essenzen,
besuche viele Städte in Ägypten,
damit du von den Eingeweihten lernst und wieder lernst.
Immer halte Ithaka im Sinn.
Dort anzukommen ist dir vorbestimmt.
Doch beeile nur nicht deine Reise.
Besser ist, sie dauere viele Jahre;
Und alt geworden lege auf der Insel an,
reich an dem, was du auf deiner Fahrt gewannst,
und hoffe nicht, dass Ithaka dir Reichtum gäbe.
Ithaka gab dir die schöne Reise.
Du wärest ohne es nicht auf die Fahrt gegangen.
Nun hat es dir nicht mehr zu geben.
Auch wenn es sich dir ärmlich zeigt, Ithaka betrog dich nicht.
So weise, wie du wurdest, in solchem Maße erfahren,
wirst du ohnedies verstanden haben, was die Ithakas bedeuten.
![]() |
| Braitenrain, im Oktober 2012 |
EQ-Blog@iek.ch
26.09.2012
Wie mach ich mein Kind sozial kompetent?
Kennen Sie diese ärgerlichen Momente, in denen alle Versuche, Kindern ein Minimum an Kooperationsbereitschaft abzuringen, genau das Gegenteil bewirken? Befragt man eine repräsentative Auswahl von Müttern, so klagt immerhin gut die Hälfte über das Sozialverhalten ihrer Sprösslinge. Der Nachwuchs will nichts abgeben, gebärdet sich rabiat, aggressiv oder aber ängstlich, eigenbrötlerisch und schüchtern.
Mag sein, dass Erwachsene manchmal zu früh zu viel erwarten. Phasen von Besitzgier, von Fremden- und Trennungsangst, Trotz- und Wutanfällen inklusive körperlicher Aggressivität gehören zur normalen kindlichen Entwicklung. Von sozial auffälligem Verhalten kann also in obigem Fall nicht die Rede sein – sofern dieses nicht die Regel ist. Aber wie werden Kinder sozial kompetent? Die Grundlage für den Erwerb sozialer Kompetenzen wird – so meinen die ExpertInnen - bereits in frühester Kindheit gelegt, nämlich, wenn sich Mutter oder Vater (oder nahe Bezugspersonen) tagtäglich liebevoll mit dem Baby befassen. Damit Sie aber als Eltern nicht gleich wieder ein schlechtes Gewissen kriegen: Die ExpertInnen sagen auch, dass nicht automatisch die Eltern "schuld" sind, wenn ein Kind soziale Regeln ignoriert. Mitunter können genetisch bedingte Störungen sowie eine lange Reihe von Risikofaktoren dafür verantwortlich sein, dass Kinder die Gefühle anderer schlecht deuten können.
Grundsätzlich lernen Kinder aber durch Kennenlernen der eigenen emotionalen Welt, d.h. durch erkennen und ‚zuordnen lernen‘ von eigenen Emotionen. Weiter durch sich-in-den-anderen-reinversetzen (Perspektivenwechsel) und durch erlernen von Lösungsstrategien in sozial schwierigen Situationen (wie bspw. Konflikten). Die Eltern (bzw. nahe Bezugspersonen) des Kindes dienen im Laufe der Entwicklung sowohl als Modell als auch als "Spiegel des Selbst des Kindes". Sie lehren das Kind mit schwierigen Verhaltensweisen umzugehen und welche Regeln im sozialen Kontext gelten; sie spiegeln dem Kind, wie es ist und wie sein Verhalten auf andere wirkt. Dass man sich dabei als Eltern x-fach wiederholen muss, scheint mühsam aber unabdingbar zu sein: "Es ist wichtig, dass Erwachsene den Kindern immer wieder Feedback und Anleitung beim Umgang miteinander geben, auch wenn man das Gefühl hat, sich zum hundertsten Mal zu wiederholen", meint der Psychologe Franz Petermann*.
Nochmals zurück zu der weiter oben geschilderten Situation: Viele Eltern sind der Meinung, dass sie bspw. bei Konflikten nicht eingreifen dürfen, nach dem Motto: Die Kids müssen das unter sich regeln. "Das funktioniert nicht", widerspricht der Psychologe. Gerade die Kleineren seien damit emotional überfordert. Je jünger das Kind, desto unmittelbarer müssen Erwachsene vielmehr beim Verstoß gegen soziale Regeln reagieren. "Kinder brauchen die Orientierung – sie wollen immer wieder wissen: Ist das jetzt gut oder schlecht? ". Die Eltern nehmen in diesem Sinn eine wichtige Rolle bei der Herausbildung des Selbstverständnisses und des Selbstwertes des Kindes ein. Qualitäten, die eine zentrale Rolle spielen in Bezug auf die Kompetenz, sich in sozialen Kontexten bewegen zu können.
Wer ein paar weitere Tipps möchte, um seinem Nachwuchs soziale Fertigkeiten zu vermitteln, hier eine kleine Auswahl nach Empfehlungen von PsychologInnen der Universität Bremen:
Tipps für Eltern zur Förderung der sozialen Kompetenz bei Kindern
Ab dem Kindergartenalter:
- Erzählen Sie Ihrem Kind, wann Sie selbst froh, wütend oder traurig waren, und zeigen Sie ihm, wie Gefühle bei Ihnen aussehen und sich anhören.
- Fragen Sie Ihr Kind, wann es froh, wütend oder ängstlich war.
- Fragen Sie es, welche Möglichkeiten es gibt, ein Problem zu lösen.
- Lassen Sie Ihr Kind begründen, warum eine Lösung gut oder weniger gut ist.
- Spielen Sie gemeinsam gute Lösungsmöglichkeiten im Rollenspiel nach.
- Seien Sie ein Vorbild im Umgang mit anderen Menschen.
Ab dem Grundschulalter:
- Ermutigen Sie Ihr Kind, Konflikte in drei Stufen zu überdenken: Was ist eigentlich passiert?
- Was kann man dagegen tun (Ideen sammeln)? Welche Lösung ist am besten für alle Beteiligten?
- Fairness: Suchen Sie zusammen mit Ihrem Kind praktische Beispiele für die Regel: "Ich behandle dich so, wie ich selbst behandelt werden möchte."
- Regen Sie an, Verantwortung für eigenes Fehlverhalten zu übernehmen. Führen Sie für alle Familienmitglieder die 4-E-Methode ein: Eingestehen, Erklären (warum man sich so verhalten hat), Entschuldigen, Entschädigen ("Was kann ich tun, um das wieder gutzumachen? ").
Bis bald
Ursula Stalder
EQ-Blog@iek.ch
--
*FRANZ PETERMANN leitet das Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation an der Universität Bremen
12.09.2012
Wie empathisch müssen Führungskräfte sein?
Spätestens seit Daniel Goleman den Begriff der emotionalen Intelligenz (= EQ) mit seinen Bestsellern populär gemacht hat, ist in jedem Handbuch über Leadership, in jedem Führungskurs und in fast jedem Stelleninserat von Empathie – als einem zentralen Wesensmerkmal von EQ – die Rede. Doch was ist damit eigentlich genau gemeint und wie empathisch sollten Führungskräfte tatsächlich sein? In Anlehnung an einen äusserst spannenden Gedankenaustausch[1] zwischen zwei Experten mit ganz unterschiedlichem kulturellem Hintergrund werde ich dieser Frage in der Folge etwas nachgehen.
Als sich seine Heiligkeit der Dalai Lama und der renommierte amerikanische Psychologieprofessor und Emotionsforscher Paul Ekman zum ersten Mal trafen, entwickelte sich zwischen ihnen eine bemerkenswerte Beziehung. Zum Glück hatten die beiden nicht allzu sehr auf die Warnungen gehört, die man ihnen vor ihrem ersten Treffen zukommen liess: Während der Dalai Lama von Buddhisten aus Amerika zu besonderer Vorsicht ermahnt wurde, weil die „Wissenschaft der Totschläger der Religion“ sei, meinten einige Kollegen aus dem wissenschaftlichen Umfeld zu Paul Ekman: „Sprechen Sie nicht mit dem Dalai Lama. Er wird Sie als Wissenschaftler ruinieren – und Sie werden spirituell werden!“ Und so kam es zu mehreren Treffen, in denen sich die beiden austauschten und in einen intensiven Dialog über Wissenschaft und Spiritualität, über östliche und westliche Denkansätze traten. Dabei haben sie sich unter anderem auch über das Wesen des Mitgefühls unterhalten:
Jede Diskussion mit dem Ziel, mehr Klarheit über ein komplexes Thema zu gewinnen, beginnt mit einer begrifflichen Klärung. So auch hier: Paul Ekman schlägt vor, vom Begriff der Empathie einmal abzusehen und ihn durch vier präzisere Begriffe zu ersetzen:
- Das „Erkennen einer Emotion“: Gemeint ist damit beispielsweise die Fähigkeit zu erkennen, wenn eine andere Person leidet. Um empathisch sein zu können muss ich das Gefühl kennen. Denn ich kann nicht an den Gefühlen einer anderen Person teilnehmen, wenn ich nicht weiss, um was für Gefühle es sich handelt.
- Die „emotionale Resonanz“: Dies bedeutet, die Emotion des andern ebenfalls zu spüren, was über das reine Erkennen hinaus geht. Um fühlen zu können, was der andere fühlt, muss ich zwar zunächst das Gefühl erkennen. Aber umgekehrt führt nicht jedes Erkennen zwangsläufig dazu, dass ich es fühle.
- Das „Mitgefühl“ ist schliesslich der dritte Begriff, den man unterscheiden sollte: Beim Mitgefühl habe ich den Wunsch, das Leiden der andern Person zu lindern. Wenn ich das Leiden nicht erkannt habe, werde ich nicht wissen, dass die andere Person leidet und somit werde ich auch kein Mitgefühl entwickeln. Ein reines Erkennen führt umgekehrt jedoch nicht zwangsläufig zum Mitgefühl. Ich kann ja beispielsweise das Leiden einer andern Person nicht so wichtig nehmen. Schliesslich könnte man die „emotionale Resonanz“ als Motivationsfaktor bezeichnen, um Mitgefühl zu empfinden. Wenn ich direkt spüre, wie jemand leidet, kann mich dies dazu motivieren zu handeln, um das Leiden zu reduzieren. Und ein letzter wichtiger Gedanke dazu: Ich habe die Möglichkeit, einzig durch das „Erkennen der Emotion“ Mitgefühl zu empfinden. Die „emotionale Resonanz“ ist somit nicht eine zwingende Voraussetzung, um „Mitgefühl“ entwickeln zu können.
- Zum Schluss kommt Daniel Ekman auf den Begriff des „Altruismus“ zu sprechen. Damit meint er das Mitgefühl, welches dazu führt, dass ich das Leid der andern Person zu lindern versuche und dabei auch gewisse Risiken für das eigene Wohlergehen in Kauf nehme. Ich helfe dem andern – und gefährde mich dabei selbst.
Damit sind die verschiedenen Aspekte von Empathie genannt. Man könnte es sich nun einfach machen und behaupten, dass emotional intelligente – und somit empathische – Führungskräfte über all die oben aufgeführten Eigenschaften verfügen sollten. Doch dies wäre weder besonders klug noch allzu realistisch, zumindest wenn man den Gedanken nicht noch etwas weiter entwickelt.
Dies haben auch die beiden Gesprächspartner getan, indem sie der Frage nachgegangen sind, inwiefern man durch ein Übermass an „emotionaler Resonanz“ sowohl sich selbst als auch seinem Umfeld nicht auch schaden könne. Als Beispiel unterhielten sie sich über die Krankenschwester in einem Spital für krebskranke Kinder. Würde die Krankenschwester all das Leid dieser Kinder und deren Eltern mitfühlen, wäre sie vermutlich bald nicht mehr arbeitsfähig und würde ausbrennen. Sie braucht daher zusätzlich etwas, was der Dalai Lama die „unterscheidende Bewusstheit“ nennt. Dabei geht es um eine innere Balance, um ein Gleichgewicht zwischen Mitgefühl und Weisheit. Nach dem buddhistischen Verständnis besteht die Rolle der „unterscheidenden Bewusstheit“ darin, dass „zwischen den unterschiedlichen Geisteszuständen eine Art von Konfliktlösung“ erreicht wird. Gemeint ist damit die Fähigkeit, bei Bedarf die eigene „emotionale Resonanz“ zurücknehmen zu können, um handlungsfähig zu bleiben. Anstatt zusammenzusitzen und gemeinsam zu weinen, tut man sein Möglichstes, um die Situation für alle zu verbessern. Wenn Kündigungen ausgesprochen werden müssen, um die Zukunft des Unternehmens zu retten, dann ist es wichtig, eine gewisse Distanz zur eigenen emotionalen Betroffenheit einzunehmen, um die richtigen Entscheide in die Praxis umzusetzen.
Folgt man der Argumentation des Dalai Lama, dann verfügen emotional intelligente Führungskräfte einerseits über Demut – d. h. sie sind in der Lage, „das Gefühl des Ichs oder der Bedeutsamkeit der eigenen Person abzubauen“ bzw. zu relativieren. Andererseits haben sie den nötigen Mut bzw. „das Bedürfnis, zum Vorteil anderer zu wirken“. Diese beiden sich allem Anschein nach zu widersprechenden Zustände – Mut und Demut – gilt es miteinander in Einklang zu bringen. Dies geschieht durch die Anwendung der Weisheit.
Bis bald
Bob Schneider
EQ-Blog@iek.ch
--
[1] Dieser Dialog wurde im Jahr 2008 in Buchform herausgegeben und später ins Deutsche übersetzt. Titel der deutschen Übersetzung: Gefühl und Mitgefühl – Ein Dialog zwischen dem Dalai Lama und Paul Ekman. Aus dem Englischen übersetzt von Dr. Matthias Reiss, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg 2009
30.08.2012
Bin ich selbst verantwortlich für meine Gefühle?
Ich war in den letzten Tagen zweimal mit dem Auto auf derselben Strecke Langnau-Burgdorf unterwegs. Bei der ersten Fahrt war ich etwas spät unterwegs und hatte das Gefühl, ein Opfer verschiedener ärgerlicher Umstände zu sein. Gerade jetzt, wo ich es eilig hatte, wurden mir verschiedene Hindernisse zum Vorwärtskommen in den Weg gestellt. Mein Ärger wurde in meinem Empfinden durch das Verhalten anderer Personen bzw. durch äussere Umstände und Ereignisse verursacht. Nach der zweiten Fahrt, bei der ich nicht unter Zeitdruck stand, konnte ich am Bahnübergang einem schönen Song lauschen, der gerade im Radio lief, und ich beobachtete die verschiedenen Verkehrsteilnehmer und hing meinen Gedanken nach. Auch wenn es einmal stockend vorwärts ging, konnte ich die Fahrt schon fast meditativ geniessen.
Was hatten geschlossene Barrieren, landwirtschaftliche Fahrzeuge, die meine Höchstgeschwindigkeit begrenzten, oder der stockende Innerortsverkehr mit meinen unterschiedlichen Gefühlslagen zu tun? Wenn ich es genauer bedenke, eigentlich nichts. Beide Male war ich ähnlichen äusseren Umständen und Verhaltensweisen anderer Personen ausgesetzt und dennoch war mein Empfinden komplett ein anderes. Es sind somit nicht die Anstöße von aussen, die meine Gefühle verursachten, sondern meine Gefühle entstanden dadurch, wie ich diese Impulse wahrgenommen, eingeordnet und schliesslich darauf reagiert habe.
Noch ein weiteres Beispiel: Wenn ein Kollege schlecht über mich redet, dann fühle ich mich in der Regel verletzt und ärgerlich - „und er ist schuld daran, dass ich mich so fühle“. Jedoch ist die Tatsache, dass er über mich geredet hat, nicht ursächlich dafür verantwortlich, dass ich mich aufrege. Wenn ich es nie erfahren hätte, hätte ich mich nicht aufgeregt. Auch hier zeigt sich, dass meine Gefühle hauptsächlich von mir abhängen bzw. davon, wie ich Ereignisse interpretiere und darauf reagiere. Eigentlich müsste ich mich nicht schlecht fühlen, wenn jemand garstig über mich redet, auch wenn ich es erfahre. Ich kenne Personen, die bleiben bei so etwas vollkommen ruhig, denen ist das ganz egal. Die Reaktion hängt also von mir ab und ist somit auch durch mich beeinflussbar.
Zugegeben, Ereignisse von aussen oder Verhaltensweisen von anderen können wir schlecht kontrollieren. Aber wir können unsere Wahrnehmung, Interpretation und Reaktion darauf steuern, ändern und trainieren - wenn wir das wirklich wollen.
Eigenverantwortung zu übernehmen ist sehr wichtig, wenn wir unser Leben selbst bestimmen wollen. Und Verantwortung für unsere Gefühle zu übernehmen, ist in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung, wie ich immer wieder einmal selber erfahre.
Bis bald
Stephan Arnold
EQ-Blog@iek.ch
Was hatten geschlossene Barrieren, landwirtschaftliche Fahrzeuge, die meine Höchstgeschwindigkeit begrenzten, oder der stockende Innerortsverkehr mit meinen unterschiedlichen Gefühlslagen zu tun? Wenn ich es genauer bedenke, eigentlich nichts. Beide Male war ich ähnlichen äusseren Umständen und Verhaltensweisen anderer Personen ausgesetzt und dennoch war mein Empfinden komplett ein anderes. Es sind somit nicht die Anstöße von aussen, die meine Gefühle verursachten, sondern meine Gefühle entstanden dadurch, wie ich diese Impulse wahrgenommen, eingeordnet und schliesslich darauf reagiert habe.
Noch ein weiteres Beispiel: Wenn ein Kollege schlecht über mich redet, dann fühle ich mich in der Regel verletzt und ärgerlich - „und er ist schuld daran, dass ich mich so fühle“. Jedoch ist die Tatsache, dass er über mich geredet hat, nicht ursächlich dafür verantwortlich, dass ich mich aufrege. Wenn ich es nie erfahren hätte, hätte ich mich nicht aufgeregt. Auch hier zeigt sich, dass meine Gefühle hauptsächlich von mir abhängen bzw. davon, wie ich Ereignisse interpretiere und darauf reagiere. Eigentlich müsste ich mich nicht schlecht fühlen, wenn jemand garstig über mich redet, auch wenn ich es erfahre. Ich kenne Personen, die bleiben bei so etwas vollkommen ruhig, denen ist das ganz egal. Die Reaktion hängt also von mir ab und ist somit auch durch mich beeinflussbar.
Zugegeben, Ereignisse von aussen oder Verhaltensweisen von anderen können wir schlecht kontrollieren. Aber wir können unsere Wahrnehmung, Interpretation und Reaktion darauf steuern, ändern und trainieren - wenn wir das wirklich wollen.
Eigenverantwortung zu übernehmen ist sehr wichtig, wenn wir unser Leben selbst bestimmen wollen. Und Verantwortung für unsere Gefühle zu übernehmen, ist in diesem Zusammenhang von besonderer Bedeutung, wie ich immer wieder einmal selber erfahre.
Bis bald
Stephan Arnold
EQ-Blog@iek.ch
17.08.2012
Emotionales Wechselbad
Ferienzeit ist Reisezeit. Wir haben diesen Sommer mit
unserem 6-jährigen Sohn eine Tour mit dem Motorhome durch die Nationalparks des
Südwestens der USA geplant. Ein Monat Ferien am Stück ist etwas eher Einmaliges
und ein Trip mit dem Camper durch die Wildnis so oder so etwas, das man nicht
so schnell wieder machen wird. Umso mehr haben wir uns auf dieses Erlebnis
gefreut und geplant, was wir alles unternehmen wollten.

Die "gefürchteten" Einreiseformalitäten für die
USA hatten wir elektronisch glücklich bewältigt, den Nationalpass für die Parks
im Gepäck und die letzten Reservationsbestätigungen für die beliebtesten Parks erhalten.
Im Büro waren die Dossiers übergeben, die Pendenzen abgearbeitet und das Pult
fein säuberlich aufgeräumt. Mit anderen Worten, wir waren "ready for take
off".
Und zweitens kommt es anders als man denkt. Den ersten Zug nach
Zürich haben wir noch ganz knapp erwischt, obwohl sich unser Taxichauffeur
verschlafen und uns versetzt hatte. Aber es hat noch gereicht. Umso grösser die
Entspannung und wohlige Freude, als sich der Zug pünktlich in Bewegung gesetzt
hat. Wer kennt es nicht, das befreiende Gefühl, wenn nach den letzten
hektischen Momenten, dann endlich die Ferien tatsächlich beginnen und man die
letzten Sorgen zu Hause lässt.
So auch wir. Das ersehnte Reiseziel kam schon ein wenig
näher und in ein paar Stunden würden wir über den Wolken Richtung Westen
schweben. Ahh tat das gut ! Noch ein Espresso von der Mini Bar, sich rasch
vergewissern ob der Pass nun tatsächlich in der Jacke und nicht mehr auf dem
Küchentisch ist usw. Nichts Aussergewöhnliches. Das Einchecken ging
überraschend schnell und einfach, auch beim Security Check konnten wir die
Beamten rasch wieder beruhigen und die vermeintliche Rohrbombe als Verpackungsröhre
der Pringles-Chips entlarven. Die langersehnten Ferien wurden immer greifbarer.
Nach 2 Stunden freudiger
Langeweile in der Abflughalle begann das Boarding mit nur 20 Minuten
Verspätung. Kein Problem, das sollte noch reichen um den Anschlussflug in
Philadelphia zu erreichen. Nur kein Stress, es kommt alles gut. Amerika wir
kommen! Freude herrscht!
Wir haben uns angeschnallt, die Cockpit Türe ging runter,
das Flugpersonal hat die over head Fächer mit Schwung zugeknallt, die Passagiere
ein letztes Mal gezählt und dann…
Hat sich unser Sohnemann über Kopfweh und Bauchschmerzen
beklagt, sich gleich darauf übergeben müssen, erschöpft seinen Kopf in den
Schoss der Mutter gelegt und gesagt er sei sehr müde er möchte schlafen. Wir
waren völlig perplex, verstanden die Welt nicht mehr und versuchten zu
begreifen, was da eben passiert war und was unserem Kind fehlte. Äussere
Anzeichen gab es keine, kein Fieber, nur noch etwas Kopfweh. War es nur die
Aufregung? Eine kleine Sommergrippe? War es das warme Buttergipfeli in der
Abflughalle gewesen? Oder bahnte sich etwas Gravierendes an? Wir waren wirklich
ratlos.
Es war fast wie im Film. Nur waren wir diesmal die
Hauptdarsteller, beobachtet von 200 Flugpassagieren, die einen mit
vorwurfsvollen und wütenden Blicken anstarrten, als der Abflugprozess gestoppt,
das Flugzeug wieder angedockt und die Türe wieder geöffnet wurde. Der
Flugkapitän wollte einen Notarzt an Bord holen lassen, um zu klären, ob er mit
uns an Bord losfliegen kann oder nicht.
Da haben wir uns entschlossen wieder von Bord zu gehen und
unseren Ferientraum platzen zu lassen. Innerhalb ein paar Minuten hat sich die
wohlige Vorfreude auf die Ferien in Sorge und Angst um die Gesundheit unseres
Sohnes und in eine riesige Enttäuschung gewandelt.
Nach dem wir vom Airport-Medical Center ins Kinderspital
geschickt worden waren, konnten wir kurz vor Mitternacht, zum Glück zusammen
mit unserem Sohn, wieder nach Hause fahren. Unsere "Reise" hatte
etwas weniger lange gedauert als geplant, hat uns aber durch ein unglaubliches
Auf und Ab von Gefühlslagen geführt und das emotionale Wechselbad war eine
echte Herausforderung gewesen. Nicht unbedingt zur Nachahmung zu empfehlen. Aber
am Schluss dieses langen Tages, waren wir trotz allem einfach froh, dass die
Diagnose nicht gar so schlimm war, wir uns richtig entschieden hatten und es
nicht schlimmer ausgegangen ist. Zum Glück hatte das Flugzeug Verspätung
gehabt, sonst wären wir bereits in der Luft gewesen und hätten vielleicht
irgendwo in der "Pampa" zwischenlanden und von Bord gehen müssen.
Ich hoffe Ihre Ferien sind etwas ruhiger verlaufen…
Bis bald
Simon Streit
27.07.2012
Wider alle Vernunft - und doch muss es sein!
Es gibt Frauen, die tragen
ihren Besitz in der Handtasche mit sich herum. Bei mir liegt alles (inklusive
natürlich der Tasche) im Auto. Deshalb war mein Auto bisher eher geräumig und
vor allem praktisch - Marke und Aussehen hingegen eher unwichtig. Denn eigentlich
bin ich der Meinung, dass Autos mich nicht interessieren und meine beiden
Kriterien sind: Es muss "funktionieren" und eine Sitzheizung haben.
Das war so bis ich dann diesen ….


… sah und mich ein wenig
verliebte.
Die vorwiegend männlichen
Argumente gegen einen Kauf waren: „Unmöglich“, „zu unpraktisch“, „viel zu
klein“, „zu teuer“ und überhaupt ... „das ist ja kein richtiges Auto“.
Alle vorgetragenen Argumente
konnte ich absolut nachvollziehen und ich war eigentlich sogar mit ihnen
einverstanden. Aber irgendwie nützte alles nichts, denn ich wollte ihn, diesen
süssen kleinen Kerl. Nicht zuletzt passte in meiner Vorstellung sogar die Farbe
perfekt zu meinem Hund!
Und los ging’s, mit Mann und Hund und Sack und
Pack in Richtung Frankreich. Siehe da, fast zu meinem Erstaunen ging auch alles
rein. Die Packerei dauerte zwar ein wenig länger, denn es handelte sich hier um
eine kleine Generalstabsübung und um Millimeterarbeit. Aber alles eigentlich
kein Problem, einzige Erschwernis war der männliche Kommentator, der die
Sticheleien nicht lassen konnte … bis mir dann der Kragen platzte und ich
engagiert in Verteidigungsstellung trat ... so fing die erste Reise mit
einem kleineren Disput an, der dann allerdings bei offenem Dach und coolem
Sound bald in der Sonne geschmolzen ist!
Und wenn ich ganz ehrlich
bin: ein bisschen unpraktisch ist er wirklich - nur
Spass machen tut er trotzdem!
Schöne Sommertage und bis
bald,
Karin Grisenti Schneider
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