02.04.2014

Generation Y trifft auf Schrebergarten

Urban Gardening und Schrebergärten boomen und insbesondere auch junge Menschen und junge Familien suchen immer öfter den Ausgleich beim Gärtner. Ich selber bin auch "so eine" und seit ca. einem Jahr bewirtschafte ich mit Familie eine mittelgrosse Gartenparzelle – und bin deshalb auch zum ersten Mal Mitglied eines Vereines, nämlich des Familiengärtenvereins Bern-Südwest.

Als Vereinsmitglied hat man ja auch Pflichten, und eine davon habe ich anfangs Jahr "pflichtbewusst" wahrgenommen – die Generalversammlung. Als eine der wenigen Generation Y-Vertreter/innen und sehr vielen deutlich älteren Mitgliedern war ich einigermassen gespannt, was mir der Abend bringen würde. Es wurde dann tatsächlich über interessante und sehr zeitgemässe Themen diskutiert, die ich ehrlich gesagt an einer solchen Versammlung kaum erwartet hätte: Die Vorstände, Präsidenten und Präsidentinnen beinahe aller Familiengärtenvereine sind "überaltert" resp. möchten ihr Amt gerne an die jüngere Generation abgeben. Frischer Wind sei gefragt und sehr gewünscht, meinen durchwegs alle Vorstandsmitglieder. Leider finden sich keine Nachfolger/innen oder anders gesagt, die jungen Leute sind scheinbar nicht bereit, sich in ihrer Freizeit ehrenamtlich zu engagieren. Zumindest nicht für die Familiengärtenvereine. Ich als eine der wenigen jüngeren Anwesenden fühlte mich direkt angesprochen und spürte gar einige Vorwürfe aus den leidenschaftlich ausgesprochenen Appellen des Präsidenten an die jungen Mitglieder: Die Jungen profitieren von den Vorteilen der Vereine, aber etwas zurückgeben und engagieren wollen sie sich nicht! Die Zukunft diverser Vereine steht auf dem Spiel und die Jungen fühlen sich nicht verantwortlich, die jahrelang geleistete Arbeit der bisherigen Vorstandsmitglieder weiterzuführen – und zu würdigen. Ein richtig gehender Generationen-Konflikt!

Die verschiedenen Präsidenten und Präsidentinnen von diversen Vereinen mit erhobenem, mahnendem Zeigefinger, die anwesenden Jungen ohne etwas dazu zu sagen. Ich persönlich nehme meine Generation überhaupt nicht als verantwortungslos und ohne Engagement wahr. Nur stellen sich viele Schrebergärten-Vorstände resp. -Organisationen nicht eben offen oder attraktiv dar, sie wirken teilweise richtig verstaubt und konservativ. Die Jungen fühlen sich vielleicht auch deshalb nicht angesprochen. Vielleicht müssten einfach beide Parteien ein wenig aufeinander zugehen, damit vorerst für eine gewisse Zeit, quasi Hand in Hand, die Zukunft der Vereine gestaltet werden könnte. Denn schlussendlich könnten beide Generation von einander profitieren: Die einen von viel vorhandenem Wissen und die anderen von einem frischen Wind.

Viele Grüsse aus dem Schrebergarten!

Janine Hirschi

EQ-Blog@iek.ch

28.02.2014

Wenn vermeintliche Empathie nicht zum Ziel führt


Vielleicht kennen Sie das: Da meint man es gut und versucht mit allem Mitgefühl, für sein Gegenüber nur das Beste zu erreichen – und statt Lob und Dank erntet man Unverständnis und gehässige Reaktionen. Warum denn eigentlich? Warum nur ist die Welt manchmal so ungerecht?


Die Antwort darauf ist im Prinzip ganz einfach: Nicht überall wo Empathie drauf steht, ist wirkliche Empathie drin. Oder anders gesagt: Manchmal meinen wir bloss, besonders empathisch gehandelt zu haben – und verwechseln dabei unsere vielleicht noble Absicht und unseren eigenen beschränkten Wahrnehmungshorizont mit der objektiven Wirklichkeit (sofern es eine solche denn gibt) bzw. sehen nicht, dass die subjektive Wirklichkeit unseres Gegenübers eine ganz andere ist. So können wir zum Beispiel überzeugt davon sein, dass wir mit einer bestimmten Handlung ganz besonders viel Rücksicht auf den andern nehmen – und werden mit diesem Verhalten aus der subjektiven Sicht des andern zum eigentlichen Spielverderber. Kein Wunder, wenn uns nachher nicht besonders viel Dankbarkeit entgegen gebracht wird.

Doch sehen Sie selbst:


Als echter Tierfreund fragen Sie sich vielleicht, warum man mit dem Saxophonspiel im Hintergrund nicht schon lange aufgehört hat, um dem offensichtlichen Leiden des armen Hundes endlich ein Ende zu setzen. Die Antwort ist ganz einfach: der Hund liebt das Saxophon und freut sich jedes Mal sehr darauf, wenn meine Frau es ab und zu wieder hervor nimmt um zu üben. Wäre es, so betrachtet, denn nicht ausgesprochen unfair, ihm diese kleine Freude, die das Leben ja erst so richtig lebenswert macht, in Zukunft einfach nicht mehr zu gönnen?

So unterschiedlich können subjektive Wirklichkeiten sein!

Bis bald

Bob Schneider


EQ-Blog@iek.ch

12.02.2014

Wie Sie Ihre Kinder und/oder Ihre Mitarbeitenden richtig loben


Heutzutage überhäufen wir unsere Kinder mit Lob, da man davon ausgeht, dass Lob zu stärkerem Selbstvertrauen und letztlich zu Erfolg führt. Neue Forschungsergebnisse deuten jedoch etwas ganz anderes an. Im vergangenen Jahrzehnt haben eine Anzahl von Studien zum Selbstwertgefühl gezeigt, dass es einem Kind womöglich überhaupt nicht hilft, wenn man es als «kluges» Kind lobt. Lob könnte sogar schlechtere Leistungen nach sich ziehen. Oft reagiert ein Kind auf Lob nämlich damit, dass es aufhört sich anzustrengen (warum ein weiteres Bild malen, wenn es «das beste» bereits gemalt hat? Oder es malt das gleiche Bild einfach immer wieder. Warum Neues oder auf eine neue Weise malen, wenn man mit der alten Methode Lob erntet?).

In einer berühmten Studie aus dem Jahr 1998* baten die Psychologen Carol Dweck und Claudia Mueller 128 Kinder, eine Abfolge mathematischer Probleme zu lösen. Nachdem sie die erste Reihe einfacher Aufgaben bewältigt  hatten, sprachen die Wissenschaftler jedem Kind mit einem einzigen Satz Lob aus. Manche wurden für ihre Intelligenz gelobt, «Das hast du gut gemacht, du bist wirklich klug», andere für ihre Mühe, «Das hast du gut gemacht, du hast dir wirklich grosse Mühe gegeben.» Das Resultat war dramatisch. Jene Schüler, die für ihre Anstrengungen gelobt worden waren, legten eine grössere Bereitschaft an den Tag, neue Herangehensweisen auszuprobieren. Sie bewiesen auch grösseres Durchhaltevermögen und neigten dazu, Fehler ungenügender Anstrengung und nicht mangelnder Intelligenz zuzuschreiben. Die Kinder aber, die für ihre Intelligenz gelobt worden waren, tendierten zu Aufgaben, die bestätigten, was sie bereits wussten und legten deutlich weniger Ausdauer an den Tag, wenn Probleme schwieriger wurden. Die Freude darüber, «klug» genannt worden zu sein, wich wachsender Sorge und einem sinkenden Selbstwertgefühl sowie abnehmender Motivation und Leistung.

Wie verhält sich das mit Mitarbeitenden?

Das erfahren Sie in meinen nächsten Blogbeiträgen….bleiben Sie dran!

Bis bald J

Ursula Stalder 

16.01.2014

Vorsätze wirklich umsetzen


Alle Jahre wieder lässt man um die Neujahrszeit Vergangenes Revue passieren und fasst gute Vorsätze für das neue Jahr. Aber mit vielen dieser guten Vorsätze klappt es nicht immer. In der Vergangenheit habe ich viele Vorhaben - aus welchen Gründen auch immer - nicht konsequent umgesetzt (Aufhören mit Rauchen, konsequenteres Zeitmanagement, proaktivere Kundenpflege, regelmässiges Fitnesstraining und vieles mehr).

Aber woran liegt das? Es gibt ja viele gute Checklisten, an denen man sich orientieren kann und die einem helfen sollten, seine Vorsätze umzusetzen.

Beispiel-Checkliste: Vorsätze umsetzen
  • Bleiben Sie bei den Vorhaben realistisch und möglichst konkret:
    Stellen Sie sich die Umsetzung anhand der Fragen wo, wann, was, wie bildlich vor.
  • Machen Sie sich die Gründe bewusst:
    Welche konkreten Vorteile bringt es, den Vorsatz umzusetzen? Welche konkreten Nachteile bringt es, wenn der Vorsatz nicht umgesetzt wird?
  • Nehmen Sie sich nicht zu viel auf einmal vor:
    Fangen Sie lieber eher klein an und gehen Sie Schritt für Schritt vorwärts.
  • Machen Sie sich kleine Erfolge bewusst und belohnen Sie sich:
    Warten Sie nicht mit der Belohnung, bis das Endziel erreicht ist, auch Zwischenziele sind ein Erfolg.
  • Machen Sie Ihre Vorhaben gegenüber anderen, der Familie und guten Freunden publik:
    Das verpflichtet und die Überwindung fällt leichter. Sie können den anderen beweisen, dass Sie einhalten, was Sie sagen.
  • Nicht beim ersten Rückschlag aufgeben:
    Rückschläge sind als Chance zu sehen. Es darf niemals das Ziel in Frage gestellt werden, vielleicht muss der Weg überdacht werden. Wo liegen die Stolpersteine und wie können diese aus dem Weg geräumt werden?

Dennoch ist es äusserst schwierig, ein Ziel mit Ausdauer und Selbstdisziplin zu erreichen. Anhand der nachträglichen Entschuldigungen ("xy ist im Moment halt wichtiger", "Aufwand und Ertrag stimmen doch nicht", "eigentlich geht es ja immer noch ganz gut ohne", usw.) war die persönliche emotionale Akzeptanz dieser Vorhaben vermutlich einfach zu schwach ausgeprägt, auch wenn die Vorhaben rational noch so viel Sinn machen, gut durchdacht und durchgeplant sind. Dabei helfen auch die Checklisten nicht weiter, die im Grundsatz meistens darauf abzielen, sich eindeutige und konkrete Ziele, sogenannte SMART-Ziele zu setzen.

Dinge, die mir wirklich - rational und emotional - wichtig waren, liessen sich in der Regel viel leichter erreichen. Meist waren im Endeffekt nicht einmal die rationalen Gründe dafür ausschlaggebend um durchzuhalten, sondern bestimmte Bilder, die eine positive innere Haltungen ansprachen und stimulierten.

Um Vorsätze und Ziele zu erreichen, kommt es sowohl auf klare Zielformulierungen als auch auf die persönliche emotionale Akzeptanz dieser Zielsetzungen an (Für mich ist Fitnesstraining per se nur anstrengend und zeitraubend, jedoch erscheint mir die Aussicht, schöne Berggipfel zu besteigen äusserst lohnenswert und attraktiv und es erleichtert mir bei der Erhaltung der Grundfitness aktiv zu bleiben). Wenn die emotionale Haltung zu einem Vorhaben mit der rationalen Absicht übereinstimmt, dann ist es durchaus sehr hilfreich, für komplexere Vorhaben dann auch SMART-Ziele zu setzen, um die konkrete Umsetzung zu steuern.

Ein Beispiel aus der Geschäftswelt:
Um die Kundenorientierung zu erhöhen, ist es nicht unbedingt attraktiv, mich primär an einen definierten Regelkatalog im Umgang mit Kunden zu halten, viel stärker wirkt beispielsweise ein persönliches Bild, wie sich ein Kunde mit einem Lächeln auf dem Gesicht bedankt.



Fazit:
  • Auch die Umsetzung von Vorhaben gelingt mit emotionaler Kompetenz besser.
  • Energetisierung (Motivation und Commitment) und Steuerung (Zielsetzung, Planung und Umsetzung) korrespondieren nicht immer im gewünschten Mass.
  • In Bezug auf das, was man sich vornimmt, sollte man ehrlich mit sich selber sein. Entspricht ein Vorsatz wirklich den eigenen Werten und Haltungen, um genügend emotionales Commitment aufzubringen? Im Sinne von weniger ist mehr bzw. einer klaren Prioritätensetzung lässt sich mancher Frust mit gut gemeinten Vorsätzen vermeiden.
  • Wenn man sich für ein Vorhaben entscheidet, sind "Absichten" und "Bauchgefühle" idealerweise aufeinander abzustimmen und zu "synchronisieren".
  • Für Ziele, die einem wichtig erscheinen, ist es sehr hilfreich, sich persönlich ansprechende und motivierende Bilder zu suchen, um die emotionale und die kognitive Ebene aufeinander abzustimmen.
Ich werde es mit einem klassischen Vorsatz für das neue Jahr ausprobieren, die Absicht mit dem Bauchgefühl zu synchronisieren und lade Sie - falls Sie mögen - ebenfalls dazu ein.

Bis bald

Stephan Arnold


Zwei Literaturtipps zum Thema, die mich zu diesem Beitrag angeregt haben:
  • Julius Kuhl (2001): Motivation und Persönlichkeit. Interaktionen psychischer Systeme. Hogrefe, Göttingen
  • Storch, M. (2009). Motto-Ziele, S.M.A.R.T.-Ziele und Motivation. In B.Birgmeier (Hrsg.). Coachingwissen (S. 183-205). Wiesbaden: VS Verlag

17.12.2013

„west meets east“ - eine Einführung in die Meditation

Eine Autokarawane schlängelt sich in der Dunkelheit den steilen Weg den Berg hinauf in Richtung Gumm im Emmental. Rund 20 Freunde und Bekannte - ausgestattet mit Kissen, Jacken, warmen Socken - wollten wissen, was es mit Meditation so auf sich hat. Die Gefühlswelt der Ankömmlinge könnte von eifrig, wissend, gwundrig bis hin zu neutral und skeptisch beschrieben werden.

Wie es dazu gekommen ist: Vor einigen Jahren haben wir das zum Verkauf ausgeschriebene Ferienheim Gumm zusammen mit Freunden besichtigt. Plötzlich träumten Bob und ich von wohnen und arbeiten unter einem Dach. Aus verschiedenen Gründen haben wir das Projekt nicht weiterverfolgt. Wir haben das imposante Haus mit seiner unvergleichlichen Aussicht wieder vergessen, aber wohl darum - Monate später - ein bisschen verwundert und sehr interessiert gelesen, dass das alte Schulheim von buddhistischen Mönchen gekauft und in ein Kloster umgewandelt worden ist. Menschen von überall, egal welcher Glaubensrichtung, seien willkommen in Gumm um zu meditieren. So war in dem Artikel in einer Berner Tageszeitung zu lesen.
Neugierig nahm Bob Kontakt mit dem Abt des Klosters auf. Bei einem ersten Treffen ist dann die Idee entstanden, einen Abend zum Thema „Einführung in die Meditation“ zu organisieren.

Zurück zu jenem Abend: Hell leuchtet das alte und nur leicht renovierte Gebäude in der Dunkelheit. Kaum haben wir die Autos parkiert, werden wir auch schon von einem weiss gekleideten Thailänder mit einem herzlichen Lächeln begrüsst. Drinnen an der Wärme lernen wir die beiden „monks“ und weitere Thailänder und Thailänderinnen kennen. Unsere Ankunft scheint ein Ereignis zu sein und auch das erste Mal, dass „Westler“ in einer Gruppe auf die Gumm kommen. Wir werden von allen Seiten fotografiert als wären wir richtige Promis. Dazu wird gelacht, gelächelt, Tee getrunken, erklärt, weiter fotografiert und alle warten gespannt, wie es jetzt weitergeht.
Endlich können wir den Meditationsraum betreten. Zur Enttäuschung der Berner Yogis ist der Raum mit Stühlen ausgestattet. Doch ein aufmerksamer Thai deutet auf die Kissen: "No problem, you can sit cross-legged, no problem."
Es wird ruhig und Siri, “ the teaching monk“, betritt den Raum gemeinsam mit dem weiss gewandeten Thailänder. Er stellt sich als Übersetzer vor und lächelt dabei etwas verlegen, aber mit Schalk in den Augen und meint, dass das für ihn auch eine Premiere sei. Doch bald darauf kommen wir ins Staunen, nämlich als die beiden Flachbildschirme an der Wand angehen und Monk Siri und sein Übersetzer in die Mikrofone sprechen. Das Ganze wirkt etwas skurril. Gefesselt, irgendwie amüsiert und etwas befremdet verfolgen wir die Geschehnisse und sind weniger von den Hightech-Anlagen als von der Herzlichkeit der beiden Männer beeindruckt. Was in den nächsten 90 Minuten folgt ist Theorie über Meditation, untermalt mit Bildern, Musik, Erklärungen und Videos und dann endlich dürfen wir in den praktischen Teil übergehen und starten mit einigen Dehnungsübungen. Spätestens hier wird klar, dass unser Übersetzer tatsächlich kein Profi ist. Er gibt beim Dehnen sein Bestes, muss aber verschmitzt und doch herzhaft lachen, als er die yogaerfahrenen Frauen sieht, die sich mit Leichtigkeit verrenken können. Vielleicht gab genau dieses glucksende Lachen den Anstoss, dass ich heute hier sitze und einen Blog schreibe. Ich weiss nicht, ob ich je ein Profi im Meditieren werde, ob ich je aufhöre, beim Entspannen mental eine Einkaufsliste zu schreiben oder noch schlimmer, über ein paar neue Stiefel zu sinnieren. Doch ich habe einen kleinen, wenn auch nur ganz kurzen Einblick bekommen, wie es sein kann, wenn man der Gedankenmaschine Einhalt gebietet, wie es ist, wenn eine innere Ruhe sich einstellt und es hat bei mir Lust auf „mehr“ geweckt. Als ich an diesem Abend nach Hause ging, da war mein Herz offen, ich war glücklich und um eine Erfahrung bereichert. Vielleicht hat dieses Herzgefühl nicht nur mit meinen Meditationskünsten zu tun, aber umso mehr mit der Begegnung mit diesen Menschen.
Auf jeden Fall bleibe ich dran und in diese Sinne ein herzliches „kop khun ka“
Karin Grisenti Schneider

EQ-Blog@iek.ch

28.11.2013

Leadership

Wie erkennt man eine Person, die diese Eigenschaft in sich birgt? Zugegeben keine leichte Aufgabe. Manchmal wünschte man sich in einem Selektionsverfahren so ein kleines Röntgengerät, das einem diese Frage mit wissenschaftlicher Präzision beantwortet. Aber so fortgeschritten ist die Technik ja zum Glück doch noch nicht und der Mensch noch nicht so gläsern, wie es manchmal den Anschein macht.  

So ist es immer noch dem Geschick und der Erfahrung des Interviewers überantwortet, die richtigen Fragen zu stellen und die richtige Schlussfolgerung zu ziehen. Für mich persönlich gibt es zwei, drei wichtige Eigenschaften, über die eine erfolgreiche Führungsperson verfügen muss.

Erfolgreiche Führungspersönlichkeiten sind in aller Regel authentische Menschen, die das sagen, was sie denken und sich auch so verhalten respektive handeln. Viele Menschen handeln jedoch häufig nicht authentisch, ohne sich des Widerspruchs zwischen ihren inneren Überzeugungen und ihrem tatsächlichen Handeln bewusst zu sein. Nicht immer deckt sich unser Selbstbild mit unseren tatsächlichen Handlungen. Wer sich dieser Tatsache nicht bewusst ist, täuscht sich in einem gewissen Grade selbst. Wem es gelingt, sich gegenüber aufmerksam zu sein und sich bewusst zu sein, dass wir eben nicht immer wirklich authentisch sind und sich dies selber und anderen gegenüber eingestehen kann, wirkt am glaubwürdigsten. Eine wichtige Eigenschaft, um als Führungskraft erfolgreich zu sein.

Zudem übernehmen erfolgreiche Führungspersönlichkeiten sehr oft Verantwortung und handeln aus dieser Position heraus. Damit ist nicht gemeint, dass sie in der Folge für alles ursächlich verantwortlich sind. Aber sie fühlen sich für die Lebensumstände in denen sie leben verantwortlich und handeln aus dieser Perspektive heraus. Sie nehmen gestalterischen Einfluss auf ihr Umfeld, werden aktiv und schlüpfen fast automatisch in eine Führungsrolle hinein. Lamentieren und passiv bleiben entspricht ihnen in keiner Weise. Sie übernehmen das Ruder, tragen Verantwortung und handeln aus der Perspektive des verantwortlichen Handelns heraus.

Sehr oft tragen erfolgreiche Führungspersönlichkeiten auch etwas Visionäres in sich. 
Die Zuversicht auch etwas "Größeres" erreichen zu können, gibt ihnen den notwendigen Antrieb und Durchhaltevermögen. Die Leidenschaft, die aus dieser Überzeugung, diesem Glauben und Selbstvertrauen resultiert, bildet die Quelle der Kraft, die es braucht, um Enttäuschungen, Rückschläge und Niederlagen zu überstehen. 

Diese Passion, mit der eine Idee, Überzeugung oder eine Strategie verfolgt wird, ist oft der Motor um mit Leidenschaft und Langmut erfolgreich führen zu können.

Auf was würden Sie achten, wenn Sie eine Person auf ihre Führungsqualitäten prüfen müssten? Und welche Fragen würden Sie stellen?

Bis bald

Simon Streit

09.10.2013

Machen Social Media den Rekrutierungsprozess einfacher?


Soziale Netzwerke wie LinkedIn, Xing und Co. sind zu einer bedeutenden Quelle der Mitarbeiterrekrutierung geworden. Wird die Suche und Einstellung von geeignetem Personal somit auch effizienter und effektiver? Nicht unbedingt: Es vergrössert zwar den Suchraum und hilft der Entdeckung potenzieller Talente, daneben ist und bleibt ein strukturierter Einstellungsprozess die Basis einer nachhaltig erfolgreichen Personalgewinnung. Die Passung zwischen Kandidaten und Stelle kann nur bedingt „online“ festgestellt werden.


Der Pool an Kandidatinnen/Kandidaten wird grösser – nicht einfacher wird es, die oder den Passenden zu finden.

Bild: berlinbuzz.org
Mit dem Web 2.0 und den verschiedenen darauf basierenden sozialen Netzwerken besteht für Unternehmen ein leichterer Zugang zu potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten. Dabei erhöht sich aber die Anzahl sowohl geeigneter als auch weniger geeigneter Personen.

Die Achillesferse einer guten Einstellungspolitik ist und bleibt, die passenden Mitarbeitenden ausfindig zu machen. Passend heisst, dass eine Person einerseits die entsprechenden fachlichen Qualifikationen aufweist und auch in den sogenannten „Soft-Skills“ die der Stelle entsprechenden Kompetenzen mitbringt. Zusätzlich sollte sie oder er auch mit ihrer/seiner Persönlichkeit ins zukünftige Team und zum Umfeld passen und last but not least ist es erwiesenermassen von Vorteil, wenn die persönlichen Werte und Überzeugungen einigermassen mit der gelebten Firmenkultur übereinstimmen.

Auf „digitalem“ Weg – über die Präsentation und Angaben im Netz – lassen sich bezüglich „Hard-Skills“ bzw. den fachlichen Qualifikationen sicher gute Informationen gewinnen. Alle weiteren Punkte können gleichwohl erst in einem persönlichen Kontakt und anhand einer strukturierten und professionellen Auseinandersetzung mit dem Kandidaten vertiefter ergründet werden.


Es schwimmen auch viele Selbstdarsteller im Pool.

Es gibt auch im Internet diverse Kompetenz- und Persönlichkeitstests für ein Self-Assessment. XING beispielsweise bietet eine Kompetenzanalyse an, mit der man seine Stärken „herausfinden“ und auch freischalten kann. Man kann davon ausgehen, dass ich mich als potenzieller Bewerber in einem möglichst positiven Licht darstellen möchte, allfällige Schwächen eher aussen vor lasse und Stärken pointiert herausstreiche. Es liegt in der Natur der Sache, dass Impressionmanagement betrieben wird und ausgeprägte Selbstdarsteller gerne etwas dazu erfinden zum eigenen beruflichen Werdegang, ihren Kompetenzen und Kenntnissen.

Gerade im Bereich der Softskills wird es schwierig, aufgrund von Selbstbeurteilungen den Gehalt zu fassen und Prognosen für das konkrete Verhalten im Job abzuleiten. Wer sagt beispielsweise von sich, nicht teamfähig zu sein? Je nachdem, was man darunter versteht und welche Aspekte in den Vordergrund gerückt werden, ist man immer irgendwie teamfähig. Deshalb führt kein Weg daran vorbei, solche Kompetenzen entsprechend den konkreten Anforderungen der Stelle vertieft zu überprüfen.

Selbsteinschätzungen sollten mittels geeigneter Interviewfragen validiert werden, noch besser sind Übungen oder konkrete Arbeitsproben, wo das Verhalten und insbesondere die Umsetzung emotionaler und sozialer Kompetenzen in einer konkreten Situation beobachtbar sind.


Will man Top-Mitarbeitende, funktioniert die Personalauswahl nicht „by the way“.

Es ist nicht damit getan, einen möglichst umfassenden Kompetenzenkatalog zu definieren und anhand einer quasi automatischen – „digitalen“ – Filterung anhand der Bewerbungsdossiers oder im Extremfall von Profilen auf Internetplattformen die Personen herauszufinden, welche sich bezüglich der Suchkriterien am besten vermarktet haben. Eine erste Eingrenzung ist damit sicher möglich. Es ist aber erst der Anfang eines Prozesses, bei dem die Passung stufenweise, vertieft und professionell beurteilt werden sollte.


Bis bald
Stephan Arnold

EQ-Blog@iek.ch